Samstag, Februar 13, 2010

虎年快乐! - Frohes neues Tigerjahr!

Obwohl ich gestern früh ins Bett gegangen bin, verpenne ich fast das Training, bin von letzter Woche noch sehr geschlaucht. Mittlerweile sind die Temperaturen stark abgefallen, aber die Sonne scheint. Meine kleinen Tiger wackeln fröhlich mit ihren Köpfen.
Der Park ist wie ausgestorben, fast alle kleineren Geschäfte sind geschlossen. So habe ich Shanghai noch nie erlebt.
Meister Wu ist schon da, Planänderung für Neujahr: Morgen lecker essen, und Wujie kommt dann auch. Spitze! Da der immer sehr beschäftigt ist, hat der Meister ihn auch schon lange nicht mehr gesehen. Auf dieses Wiedersehen freue ich mich total. Und des Meisters Sohn hat endlich eine Freundin, die werde ich dann auch kennen lernen. Das freut mich sehr für den jungen Wu, denn mittlerweile ist der auch schon 26 und nicht gerade mit Schönheit gesegnet. Meister Wu war wohl schon ziemlich besorgt, sein Sohn könne keine Frau abkriegen und Nachkommen zeugen, hier in China eine Katastrophe. Und auch Wujies Sohn hat eine Freundin gefunden, da können die Väter sich ja jetzt beruhigt zurücklehnen.
Ich wünsche dem Meister auftragsgemäß in Stefanies Namen ein Frohes Neues Jahr und kündige sie für April an, Meister Wu wirkt erfreut. Und meinen roten Umschlag mit der Unterrichtsgebühr versenke ich auch in des Meisters Rucksack. Bin heute die einzige Schülerin, klasse. Deswegen üben wir sehr komplizierte Schrittfolgen, die ich mir unmöglich merken kann. Friere mir den Arsch ab, auf den Gräsern hängt Raureif. Ich bewege ich mich wegen der Kälte auch nicht wirklich geschmeidig. Neben uns üben eine Dame und ein Herr, die Dame fragt den Meister, ob ich Chinesisch verstünde? Und wo ich herkäme? Aus Deutschland und ja, ich verstünde ein wenig Chinesisch. Daraufhin erklärt mir die Dame wortreich die Bedeutung des heutigen Tages und fragt Meister Wu leicht vorwurfsvoll, ob er mich denn eingeladen habe? Ja? Für morgen? Na dann ist gut. Mir erklärt sie dann, dass man als ordentliche Schülerin an Neujahr seinem Meister aufzuwarten habe. Dieser Tradition werde ich mich gerne fügen.
Der Perückenmann schaut vorbei und verteilt Kippen, der Meister fragt mich, ob mir kalt wäre? Na ja, an den Füßen schon. Habe ja nur die dünnen Leinenschuhe. Ausziehen, fordert der Meister und schaut nach der Schuhgröße. Das geht ja nicht, da müssen Winterschuhe her. Der gute Mann! Ying Quan wird auch vertieft. Eine sehr schöne Form,vielleicht die schönste unseres Systems. Zum Glück habe ich ja das Video, so dass ich zu Hause gut nacharbeiten kann. Jetzt habe ich ja ein wenig Zeit. Irgendwie kommen wir nach dem Training auf die Säbel- Form, die es in unserem System gibt. Ob ich die auch lernen wollte? Klar will ich! Prima, dann besorgt er mir auch einen Säbel. Geil! Also dann, morgen um 16:00 bei ihm. Erst Teetrinken, dann Essen. Freue mich.
Im Bus nach Hause kotzt der Typ vor mir erstmal hemmungslos auf den Boden. Das ist selbst den Chinesen zu krass und der Typ wird mit giftigen Blicken bedacht. Stört den allerdings wenig.
Ich ziehe mich um und eile zu dem DVD- Laden an der SISU. Der hatte meiner Erinnerung nach ein sehr gutes Angebot, zugeschnitten auf die westlichen Studenten. Auf dem Weg dahin kollidiere ich mit einer Schnalle auf einem Fahrrad, die ich auf deutsch beschimpfe. Habe mich bis jetzt als Fußgängerin darauf verlassen, dass keiner eine große Ausländerin anfährt, weil das massiven Ärger mit den Bullen geben könnte. Anscheinend war ich da im wahrsten Sinne des Wortes blauäugig.
Der Laden hat natürlich zu, aber auf dem Rückweg finde ich zufällig einen chinesischen DVD- Shop. Die fünfte Staffel von Dr. House, ein Werk des Heiligen Steven und „John Rabe“ von Florian Gallenberger werden erworben. Diesen Film wollte ich mir eigentlich im Kino ansehen, habe das aber nicht geschafft. Das Buch allerdings habe ich schon vor langer Zeit gelesen, bin sehr gespannt auf die Umsetzung. (Über die Feiertage wollte ich vielleicht auch mal nach Nanjing fahren, mal schauen).
Kaufe bei Carrefour Nahrungsmittel, denn mittlerweile habe ich Hunger. Und das gute hier ist, dass das frische Gemüse und das Obst aus biologischem Anbau kommen. Ich beschließe, den Kartoffeln noch eine Chance zu geben. Stehe ewig vor dem Schnapsregal. Geschenkpackungen gibt es hier nur mit dem grauenhaften einheimischen Rotwein, den will ich morgen nicht mitbringen. Schließlich zerre ich irgendeinen Fusel mit 52 Umdrehungen aus dem Regal. Für 128,- RMB sollte der was taugen. Und mir gönne ich den französischen Landwein. Und Croissants fürs Frühstück morgen. Vorsichtshalber kaufe ich aber noch eine Stange mit des Meisters Lieblingskippen.
Vor der Bude mit den Feuerwerksartikeln stehen die Leute Schlange, ich verzichte allerdings auf Böller.
In den Aufzug steigt im 11. Stock eine winzig kleine Omi ein. Die Omi stutzt kurz bei meinem Anblick, strahlt dann aber über das ganze Gesicht und fragt mich in astreinem Englisch „How do you do?“ Ich antworte auf englisch, mir ginge es blendend, beim Aussteigen auf meiner Etage wünsche ich der Omi auf Chinesisch ein Frohes Neues Jahr. Die Omi lacht und winkt.
Schneide die rohen Kartoffeln klein und bereite sie in der Pfanne zu. Klappt gut und schmeckt. Chinesische Kartoffeln schmecken ganz anders als die deutschen, wesentlich süßer. Und haben ein komplett anderes Garverhalten. Das wird für Ali eine Herausforderung, wenn er mich mal besucht. Gut, dann werde ich mich demnächst mal an eines meiner Lieblingsgerichte wagen: Tudou Si. Kartoffelstreifen. Ordentlich Essig und Chillies. Lecker!
Mache es mir auf dem improvisierten „Sofa“ bequem und schaue Dr. House. Die Tonqualität ist leider nicht berauschend, aber was solls. Finde die deutsche Stimme von Hugh Laurie eigentlich fast besser als das Original. Und der spricht gar kein britisches Englisch. China beeinflusst mich wohl, wenn ich jetzt schon auf Fakes stehe.
Als ich gerade wegdämmere, geht mein Ehegatte online und ermahnt mich, nicht so viel dummes Zeug zu kaufen. Nein Ali, mache ich nicht mehr, ab jetzt nur noch geschmackvolles Zeug, wenn ich zufällig was sehe. Aber die Wackeltiger sind doch sooooo süß! Gestern Nacht ist die Decke unserer Küche runtergekracht. Verrückt. Ali schickt mir Bilder. Und er gibt mir noch einen Tip, wo ich mir Filme und Serien runtersaugen kann. Der Abend ist gerettet.
Mit Einsetzen der Dunkelheit ist an Schlaf und Videoschauen nicht mehr zu denken: Das Bombardement setzt ein. Und ich habe hier den absoluten Logenplatz. Festbeleuchtung über Shanghai, und es wird stündlich farbenfroher. Wunderbar!
Mache mich schnell auf Wikipedia kundig, was hier an Neujahr so angesagt ist. Aha, Bude putzen, damit das Glück Platz findet? Kehre schnell durch. Und Lichter anmachen und Fenster aufreißen? Auch kein Problem. Kriege Mails und SMS von chinesischen Kollegen und Ex- Kollegen, bin gerührt! Mittlerweile ist es hier halb Elf nachts, in einer halben Stunde sollte hier richtig die Show abgehen. Bin mal gespannt. Mache die Glotze an und schalte auf die Neujahrsshow von CCTV 1. Das schauen heute Abend fast alle Chinesen. Muss mich ja den hiesigen Sitten und Gebräuchen anpassen.
Kurz vor Mitternacht reiße ich alle Fenster auf und schalte alle Lichter ein, damit das Glück auch seinen Weg hierher findet und begebe mich vor die Hütte. Um mich herum explodiert Shanghai. Wahnsinn. Bin jetzt genau einen Monat hier. Und auf einmal habe ich Heimweh.

放假 – Ferien

Alles ist in Ferienstimmung und so beschließe ich, es heute mal gemütlich angehen zu lassen und erst um 10.00 im Büro zu erscheinen. (Ist hier normal. Die vergangenen Wochen habe ich schon um 8.00 angefangen und erstaunte Blicke geerntet). Scheinbar sind wir der einzige Betrieb auf unserer Etage, der überhaupt arbeitet. Draußen werden schon die ersten Böller gezündet, Vorgeschmack auf die Feierlichkeiten morgen. Saulaut. Sollte mir Ohrstöpsel besorgen.
Das Gebäude, in dem sich unser Büro befindet, hat übrigens eine interessante Geschichte: Ursprünglich mal von den Engländern knapp außerhalb ihrer Konzession erbaut, wurde hier im zweiten Weltkrieg von tapferen chinesischen Truppen erbitterter Widerstand gegen die japanischen Invasoren geleistet. (Die volle Geschichte gibt es hier. Als ich gestern Xiao Lu meine Visitenkarte zeigte, war der schwer beeindruckt. Sein Vater wäre damals fast von Japanern abgeknallt worden).
Verbringe den Tag damit, meine Projektordner und Dateien aufzuräumen. Meine Aufenthaltserlaubnis wird geliefert, jetzt bin ich offiziell Shanghaier Bürgerin und Expat.
Da die Hausverwaltung uns heute um 14.00 den Strom abdreht, tigere ich in die Stadt. Prima Wetter, zwar kalt, aber die Sonne scheint.
Erst mal in den Volkspark, heute ist ja Freitag und der Meister unterrichtet da. Dann kann ich ihm auch gleich ein schönes neues Jahr wünschen. Tatsächlich treffe ich Oskar, Andy und noch einen anderen ausländischen Typen an, der sich mir als J.D. oder so vorstellt. Scheint ganz nett zu sein, er hat schon von mir gehört, der Meister redet wohl öfter von mir. Oha, hoffentlich nur Gutes! Oskar fragt interessiert, wann Stefanie denn käme? (Tatsächlich fragt er nach Bettina, er verwechselt uns immer. Klar, wir sehen uns ja auch so wahnsinnig ähnlich). Im April? Prima, dann brennt er die ver-sprochene CD mit Übungsvideos für sie. Hat letztes Jahr nicht geklappt. Oskar ist ja schon ein netter Kerl, auch wenn er viel schwätzt.
Meister Wu ist sehr gut drauf und bringt den Jungs ein schönes Detail in unserer Form bei, ich beo-bachte aufmerksam. Anschließend schlendern Meister Wu und ich in Richtung Metro, ich möchte noch in die Fuzhou Lu. Scheinheilig frage ich, wie er denn Neujahr verbrächte? Und werde prompt eingeladen. Geil! Und außerdem noch Training morgen Vormittag im Heping Park. Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt. Ob er denn morgen nicht zu beschäftigt sei, schließlich sei Frühlingsfest? Nee, ist schon OK. Insgeheim rechne ich aber mit einer nächtlichen SMS. Das soll mir aber egal sein. Dass ich das wichtigste chinesische Fest überhaupt mit Familienanschluss und dann auch noch bei meinem Meister verbringen darf, ist eine sehr hohe Ehre. Und wenn Meister Wu kocht, kann man sicher sein, dass da richtig leckeres Zeug auf den Tisch kommt.
Immer noch Vegetarierin? Ja, leider. Findet er nicht gut. Schlecht für den Körper. Aber was soll ich machen.
Nur, was für ein Geschenk soll ich mitbringen?! Bei Carrefour gibt es Geschenkpackungen mit typiaschen Süßigkeiten. Die schienen mir aber nicht sonderlich lecker. Tees gibt es auch, aber da kenne ich mich nicht aus. Also an besten Schnaps und Kippen. Mit Schnaps kenne ich mich zwar auch nicht aus, aber da werde ich meinem Instinkt folgen. Hübsche Geschenkpackungen gibt es bestimmt auch.
In der Stadt ist ordentlich was los, Fuzhou Lu geht aber. Hier gibt es einen Laden mit hübschem Schickschnack, in dem ich 2008 auch schon eine richtig geile Laptop- Tasche gefunden habe. (Ja, Lilo: Auch „Hello Kitty“ Zeugs). Meine Ausbeute: Eine kitschige, kleine, goldene Skulptur (obwohl ich das kaum so nennen möchte) mit drei Tigern. Im Sockel befindet sich eine Solarzelle, die die Tiger mit dem Kopf wackeln lässt. Als Mitarbeiterin eines auf ökologischen Bauens spezialisierten Büros muss ich das natürlich haben. (Oh China, Land des genialen Kitsches! Aber Japan soll noch schlimmer sein).
Bei Book City finde ich die von mir gesuchten DVD´s leider nicht, egal. Habe ja immer noch die ver-zweifelten Hausfrauen abzuarbeiten. Und Ferien. Dann werde ich halt in die French Concession zu meinem Lieblingsladen fahren.
Bummel durch die Einkaufskatakomben am Volkspark, entdecke noch einen coolen T- Shirt Laden. Kaufe ein rotes (eigentlich nicht so meine Farbe) Langarmshirt mit Tiger. Die Verkäuferin ist begeis-tert, dass ich meine Wünsche grob auf Chinesisch äußern kann und schenkt mir eine Tragetasche passend zum Shirt.
Zu Hause mache ich es mir vor der Glotze bequem und schaue „Desperate Housewives“. Kein Stress heute, keine Rennerei- Das Leben ist schön.

Freitag, Februar 12, 2010

第一客人 - Erster Gast

Schock auf dem Weg zur Metro: Da hockt ein Typ und hat auf einer Decke etwas ausgebreitet, was eindeutig illegal aussieht. Nämlich die Unterarme einer Großkatze, komplett mit Knochen, Sehnen, Krallen. Für Tiger fast zu schmächtig, aber irgendeine vom Aussterben bedrohte Großkatze hat dafür ihr Leben gelassen. Zunächst nehme ich das nur aus den Augenwinkeln war, die volle Erkenntnis bricht erst im Zug auf mich ein. Scheiße, ich Depp!
Normalerweise mische ich mich ja hier als Ausländerin nicht ein, aber diesen Typen hätte ich ver-prügeln sollen! Oder hätte die Bullen rufen sollen, habe durchaus schon gesehen, wie die illegale Straßenhändler haben hochgehen lassen. Aber was kann ich schon machen mit meinem bescheidenen Chinesisch. Trotzdem oder gerade deshalb verfolgt mich der Anblick bis tief in die Nacht.
In Mainz ist Fastnacht, stehe rauchend im Gang mit meinem Konstanzer Kollegen und wir erzählen uns gegenseitig Fastnachtsgeschichten. Stefanie geht heute mit meiner Nuttenperücke auf die Rolle, hoffentlich macht sie Fotos. Gutenberg steht wieder auf seinem Sockel. Alles so weit weg!
Die Abgabe heute schaffen wir locker, obwohl mein einer Teamkollege früher als erwartet aufbrechen muss. Er hat eine Fahrgemeinschaft in seine Heimatstadt Qufu (auch die Heimatstadt Kongzis, den wir als Konfuzius kennen) gefunden. Da es in Nordchina aber gerade heftig schneit, will der Fahrer sofort aufbrechen, um bei Tageslicht zu fahren. Die Entscheidung, ob er früher gehen darf wird mir überlassen: Selbstverständlich kein Problem.
Das Fotostudio nebenan wird gerade renoviert, letzte Woche waren wir alle völlig bedröhnt von den Farbdämpfen. Heute wird der Fußboden versiegelt. Das schlägt alles, was für ein grauenhafter Ge-stank! Zunächst versuchen wir, bei weit aufgerissenen Fenstern zu arbeiten. Alles hockt dick einge-packt da, schließlich schickt man uns nach Hause. Prima, mit der Abgabe machen wir eine Punkt-landung.
Ist mir auch ganz recht, denn ich habe fahrlässigerweise meinen besten chinesischen Kumpel Xiao Lu heute Abend eingeladen, sich meine Hütte anzuschauen. Und der hat auch noch zugesagt. (Chinesen sind halt neugierig). Will ja nicht als schlechte Gastgeberin dastehen und kaufe hektisch bei Carre-four noch Knabbereien, echt guten grünen Tee und Ingwer. (Zusammen mit Tee aufgegossen schmeckt das echt lecker). Und ein paar Schälchen, um die Knabbereien hübsch anzurichten. Bei dieser Gelegenheit fällt mir zufällig die gute alte Nivea- Creme in die Hände, ohne Hautaufheller. Wie das Leben manchmal so spielt...
Xiao Lu meckert erstmal, dass ich keine Gast- Schluffen habe. Habe ich doch, die flotten von Ikea. Muss mich erst noch an chinesische Gebräuche gewöhnen, das nächste Mal stelle ich die sofort be-reit. Falls mehr Gäste kommen sollten, habe ich noch eine Auswahl an vorsorglich eingesackten Hotel- Puschen.
Ihm wird sein Geburtstagsgeschenk überreicht (Ahoi- Brause Shirt von P& C) und er flippt fast aus. Dachte ich mir. In dieser Hinsicht schwingen wir auf einer Länge. Muss bei meinem nächsten Deutschland- Besuch unbedingt dieses Zeug mitbringen.
Die Bude findet er ganz OK, allerdings überteuert für diese Gegend angesichts der Sperrmüllmöbel und der Tatsache, dass die Nebenkosten nicht inbegriffen sind. Na ja, mit uns Ausländern kann man es ja machen. Aber die Ausrichtung der Wohnung findet Anerkennung. Gutes Feng Shui. Das Bett mit dem Kopf nach Norden, den Füßen nach Süden- so soll das sein.
Den Knabberkram rührt er nicht an, der Tee geht anscheinend gerade so durch. Und Ingwer schnibbelt man da nur rein, wenn man erkältet ist. Dann aber besser roten.
Um mich vollends als beschissene Gastgeberin darzustellen, zeige ich ihm mein Kochbuch und versu-che zu erklären, dass ich ja ganz gut westlich kochen könne, nicht aber chinesisch. Das Kochbuch wird durchgeblättert. 110,- Kuai dafür bezahlt? Taugt nix. Das ist Restaurantküche, keine Shanghai-er Hausmannskost. Ob er denn kochen könne? Xiao Lu verdreht die Augen: Natürlich könne er das! (In dieser Hinsicht rocken Shanghaier Männer). Na, dann kann er mir das ja beibringen. Da wird wohl morgen oder übermorgen noch ein kleiner Besuch bei Carrefour zwecks Erwerb der Kochgeräte und Zutaten nötig sein.
Da mein Netz hier ziemlich schnell ist, verbringen wir unsere Zeit damit, auf Baidu Tongbei Videos zu schauen und heftig abzulästern. Michaels Seite lädt leider im Schneckentempo, schade. Dabei hätten wir doch so gerne unseren kleinen Tongbei- Bruder bei der Arbeit gesehen.
Ying Quan üben wir auch, für mich werden da einige Dinge klarer. Zum Glück fotografiert das keiner, wir beide üben in Zivilklamotten und mit roten Tigerpuschen an den Füßen- ein Bild für die Götter! Meine Güte, was macht das für einen Spaß! Und da man als ordentliche Schülerin chinesischer Kampfkünste das Gesamtbild beherrschen muss, lerne ich, den ersten der vier Pulse zu fühlen. Mei-ne Fingernägel werden begutachtet: Keine rosa Halbmonde an der Nagelbasis vom Zeige- bis zum kleinen Finger? Schlecht, da stimmt was ab dem Magen abwärts nicht. Bin überrascht. Stimmt genau, zu wenig gegessen, zu wenig geschlafen.
Lerne noch einen fiesen Schlag aus der Hüfte. Kann man gut beim Fernsehen üben, meint Xiao Lu. Sehr nützlich im Freikampf, kurz und schnell. Wenn man diesen Schlag konventionell ausführt, ver-liert man zu viel Zeit. Mein großer Bruder hat es echt drauf.
Nach drei Stunden des Quatschens und Übens verabschiedet er sich. Muss noch viel lernen. Bin glücklich.

Dienstag, Februar 09, 2010

准备 - Vorbereitungen

Nach drei Tagen, an denen ich bis zu 16 Stunden gearbeitet habe, bin ich heute mal wieder zu einer zivilen Uhrzeit gegangen. Ein derartig hartes Tempo ist hier nicht immer die Regel, aber ist ja bei uns auch so, wenn wichtige Abgaben bevorstehen. Für mich nur ein Wochenende, für das Expo- Team geht das seit zwei Monaten so. Als ich heute ging, liebkoste die Projektleiterin heulend eines der Katzenbabys. Tat mir echt leid, denn obwohl sie sehr jung ist, macht sie ihren Job sehr gut.
Training hat leider nicht geklappt, da es vormittags regnete. War mir auch nicht unrecht, da ich so wenigstens nach den Nachtschichten etwas schlafen konnte. Durfte außerdem feststellen, dass des Meisters präferierte Ze
it zum Senden von SMS halb vier Uhr nachts ist. Wüstling.
Mittlerweile befinde ich mich in einem anderen Raum-/ Zeit Kontinuum, weiss noch nicht mal, was für ein Wochentag heute ist. Ich glaube, Dienstag. Das heißt dann, dass mein Tea
m übermorgen Abgabe hat. Aber wir werden das gut hinbekommen. Und dann endlich fünf Tage am Stück frei! Wie werde ich die nutzen? Erstmal schlafen, Wohnungs- Aufhübschungsgegenstände jenseits von Ikea suchen und schließlich auch ein wenig für mich alleine üben. Und vielleicht endlich mal chinesisch kochen. Und endlich mal wieder meine sozialen Kontakte hier und in Deutschland pflegen. ( jb: Ich werde auch just call... to say..., Tausend Dank dafür!)
Wegen der anstehenden Feiertage ist die Metro relativ leer. Sind wohl schon viele Leute unterwegs nach Hause. Einer meiner Kollegen, der am Hauptbahnhof wohnt, berichtet mir, dort sehe es aus wie in einem Flüchtlingslager. Seit gestern steht vor Carrefour eine Bude, in der Böller verkauft werden. Lasse es ja gerne krachen, aber bei dem hiesigen Material habe ich Angst um meine Gesundheit. Habe mittlerweile die Aufschrift auf der Einbalsamierungs- Lotion übersetzt: Hautaufheller. Einer für trockene, der andere für normale Haut. Will ich aussehen wie Michael Jackson? Klasse, das Zeug wandert in die Mülle.
Heute nach der Arbeit Einkauf von Grundnahrungsmitteln, mittlerweile ist auch ein erhöhtes Interesse an Dekorationsmaterialien bei der Bevölkerung festzustellen. Bloß gut, dass ich mich schon eingedeckt habe. Chat mit Ali auf Skype, dann wird die Bude geputzt. Mei
n Gott, wie viel Dreck sich doch innerhalb von zwei Wochen ansammeln kann! Und erst recht auf den Sperrmüll-Möbeln. Aber das kleine Kabinett sieht nach der Bearbeitung mit ordentlich Glasreiniger sogar fast hübsch aus. Müsste man mal anschleifen und lasieren, dann würde da was draus. Ich schwinge den Feudel, als käme morgen Hu Jintao persönlich zu einem Besuch vorbei und nach zweieinhalb Stunden intensiver Säuberung schließlich der große Moment: Anbringen der Deko.
Der fette Tiger rockt die Bude, astreine Harmonie mit den Platzdeckchen. Der Kleine ist eher niedlich, passt farblich aber perfekt zum giftgrünen Küchenfronten.
Muss unbedingt noch mehr Deko kaufen. Aber der Staatspräsident kann gerne schon mal vorbeischauen.

Freitag, Februar 05, 2010

家常 - Alltag

Mittlerweile habe ich mich hier in meiner Bude ganz gut eingelebt. Ich nicke morgens im Aufzug meinen Nachbarn freundlich zu, quetsche mich mit den werktätigen Massen in die Metro, kenne im Carrefour jedes Sonderangebot und kann Taxifahrern mein Ziel ohne Zuhilfenahme von Zetteln beschreiben. Zu diesem Thema muss man mal eines sagen: In jedem Reiseführer steht, man solle immer eine chinesische Visitenkarte seines Hotels oder Zielortes mit sich führen, da die Taxifahrer kein Englisch können. Dies ist nur teilweise richtig. Man sollte zusätzlich auch alternativ einige Straßen oder Sehenswürdigkeiten in der Nähe parat haben, denn manchmal kennen die Taxifahrer gerade kleinere Straßen nicht. Und man sollte Chinesisch können, das ist kein Fehler.
China fiebert inzwischen dem neuen Jahr entgegen. Die Atmosphäre lässt sich ganz gut mit der bei uns kurz vor Weihnachten vergleichen. (Nur dass hier keine Lichterorgien in den Fenstern gefeiert werden). Man geht mit dem Büro Neujahrsessen, es gibt Gratifikationen und Gesprächsthema Nummer eins ist der anstehende Besuch bei der Familie in der Heimat und wie schwer es war, Zugtickets zu ergattern. Erstaunlich, fast alle Leute, mit denen ich beruflich zu tun habe, kommen aus irgendwelchen anderen Teilen Chinas. Wird hier in Shanghai wahrscheinlich ganz schön leer über die Feiertage. Und vor Neujahr muss natürlich noch ganz schnell irgendwas fertig gemacht werden, so dass ich zur Zeit wie verrückt arbeite. Dass wir alle eine ganze Arbeitswoche frei haben, hat natürlich auch einen Haken: Dafür dürfen wir dann den folgenden Samstag und Sonntag nacharbeiten. Also sind das im Grunde nur drei freie Tage, die wir genießen dürfen. Und wir müssen morgen und übermorgen auch schon ran, um das Expo- Team zu unterstützen. Die haben Dienstag Abgabe, was willste machen, man kann die Kollegen/ das Projekt ja nicht absaufen lassen.
Meine Arbeitserlaubnis ist da, ein rotes Heftchen mit goldenem Siegel. Und einen offiziellen chinesischen Namen habe ich jetzt auch: 沈贝亚。 Finde 贝蒂娜 zwar schicker, aber der Zug ist jetzt abgefahren. Na gut, im Zivilleben werde ich den halt weiter benutzen, steht ja auch auf meinen Visitenkarten.
Heute dann nach Pudong zur Ausländerbehörde, der letzte Schritt zur Legalisierung meines Status hier. Diese Behörde kenne ich ja schon, was hatte ich letztes Jahr bei meiner Visumsverlängerung diese wichtigtuerische deutsche Schnalle neben mir beneidet, die wegen ihrer Aufenthaltsgenehmigung dort wartete und ständig mächtig cool telefonierte! Jetzt mache ich mich selber mit einen Stapel wichtiger Dokumente auf den Weg.
Hatte fast vergessen, wie grässlich Pudong ist, hier würde ich niemals wohnen wollten! Außer vielleicht in einer Suite des Marriot Hotels im Jinmao Tower mit Blick auf den Bund.
Lange warten muss ich nicht, Papiere sind in Ordnung, Aufenthaltgenehmigung und der ganze Kram werden mir dann noch vor Neujahr per Post zugeschickt.
Zurück ins Büro gönne ich mir ein Taxi, der Fahrer hat natürlich keine Ahnung, wo die Guangfu Lu ist. Aber da wir sowieso im Stau stehen, lässt sich das unter Zuhilfenahme sämtlicher Stadtpläne, näherer Erläuterungen meinerseits und einiger Telefonate mit Kumpeln des Fahrers zügig klären.
Nach der Arbeit Einkauf im Carrefour, aus den Lautsprechern dudeln fröhliche Neujahrslieder. (Also tatsächlich ganz wie bei uns zu Weihnachten). Diesmal lasse ich mich von der ausgelassenen Stimmung anstecken und decke mich mit Deko ein. Wer weiss, wann ich wieder zum Einkaufen komme, am Ende ist nächste Woche alles ausverkauft. Meine Ausbeute: Eine „Glücksdose“ aus Plastik in Form eines Apfels in Pink und Grün. Geil! Passt zu den Vorhängen und man kann Schmuck und Geraffel drin aufbewahren. Ein kitschiger kleiner rosa Tiger- Aufhänger mit Gebamsel. (Das Zeichen auf der Stirn des Tigers bedeutet „Wang“, König. Das haben die Chinesen aus dem typischen Fellmuster von Tigern abgeleitet. Deswegen gilt hier auch der Tiger als der König der Tiere, nicht der Löwe. Der Tiger ist das ranghöchste irdische Tier, der Drache das höchste himmlische). Das Prunkstück meiner Sammlung jedoch ist ein fetter goldener Tiger mit ordentlich Geglitzer und ordentlich Gebamsel. Den hatte ich schon lange auf meinem Radar, der wird meine Küche rocken. Denn dies ist der einzige Ort, wo ich wenigstens mit Saugnapfhaken irgendwas an den Wänden befestigen kann, Nägel darf ich ja leider nicht in die Wände hauen. Auf die Glück bringenden Spruchbänder, die üblicherweise außen neben und über der Tür angekleistert werden, verzichte ich lieber. Nachher gehen die nicht mehr ab und ich darf den Flur neu streichen lassen. Aber ich kaufe alle Hongbaos mit Tigermotiven, die es gibt und noch zwei Packungen mit neutralen. „Hongbao“ (红包) bedeutet „Roter Umschlag“. Sie sind so formatiert, dass Geldscheine exakt reinpassen, üblicherweise werden an Neujahr vor allem Kinder damit beglückt. Mit prall gefüllten natürlich. Der Typ an der Kasse muss denken, ich hätte echt was gutzumachen. Und noch ein gewagtes Experiment: Durch das gechlorte Wasser und die Beföhnung aus dem Klimagerät ist meine Haut recht trocken. Körperlotion sollte es bei Carrefour ja wohl geben. Nur wo? Eigentlich sind die Abteilungen recht klar gegliedert und Zeugs fürs Gesicht finde ich auch, aber für den Rest? Schnappe mir schließlich von einem sorgfältig aufgetürmten Sonderangebotsstapel eine Packung mit zwei verschiedenen Plastikflaschen. Ich entziffere auf der einen das Zeichen für „trocken“, hoffentlich Haut. Auf beiden Flaschen steht auf englisch „Body“. Nehme das mal als gutes Zeichen, aber vielleicht habe ich gerade Einbalsamierungsflüssigkeit erworben.
Zu Hause wird das Zeug eingepflegt: Riecht zwar etwas intensiv, bringt aber den gewünschten Effekt. Und vielleicht werde ich ab jetzt konserviert.
Auf die Anbringung meines Neujahrs- Schmuckes verzichte ich zunächst, irgendwie machen meine Nachbarn auch noch keine Anstalten dazu. Vorher muss wohl auch die Bude rituell gereinigt werden, das ist sowieso dringend fällig.
SMS an den Meister: Morgen Training, falls es nicht regnet? Umgehende Antwort: OK. (Bemerkung dazu am Rande: Letzte Woche Sonntag warf ich nach dem Aufstehen einen Blick auf die Wunderwaffe. SMS von Meister Wu: „To day rain. No practise“. Tatsächlich zeigte ein Blick aus dem Fenster Regen. Allerdings war die SMS schon um halb vier nachts bei mir eingegangen. Der alte Fuchs. War wohl am Saufen und Zocken und hat auch wegen des Wetters gepokert. Und gewonnen. War mir auch recht, kurz danach Magenkrämpfe, intensiver Kontakt mit dem Klo und den Tag im Bett/ auf dem Sofa mit den verzweifelten Hausfrauen verbracht. Man sollte halt kein angegammeltes Brot fressen).
Ying Quan wird mit Videounterstützung wiederholt, morgen also Training und dann bis zum Abwinken schaffen. Wenn es regnet, gleich bis zum Abwinken schaffen. Fürchte ja, es wird die letztere Option, denn der Wetterbericht verheißt nichts gutes. Aber vorsichtshalber stopfe ich die Kohle für den Meister in einen der hübschen roten Umschläge. Selbstverständlich in den mit dem fettesten goldenen Tiger.

Samstag, Januar 30, 2010

周末 – Wochenende #2

30.01.2010, Samstag

Vormittags:

Wache hundemüde auf. Ein Blick aus dem Fenster zeigt: Zwar trübes Wetter, aber kein Regen. Und es ist auch relativ warm. Also Training. Mache mich gemütlich fertig und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich die ganze Woche nicht geübt habe.
Zu meiner Freude habe ich eine Buslinie gefunden, die direkt vor meiner Haustür hält und zum Park fährt. Geil! Bus fahren ist sowieso viel besser als Metro, da sieht man wenigstens was von der Gegend. Bin schon etwas früher da, aber kein Xiao Lu, kein Meister. Warte eine Weile, um Punkt 9.00 fallen ein paar Tropfen vom Himmel. Hatten die Jungs das etwa im Blut? Überlege gerade, ob ich wieder nach Hause fahren und mich aufs Ohr legen soll, als Meister Wu gemächlich angeschlurft kommt. Er hat sein Mobilfon gestern im Volkspark vergessen und es vier Stunden lang gesucht. Deswegen wusste er nicht so genau, wie viel Uhr es ist. Aber irgendjemand hat das Ding wohl gefunden oder für ihn mitgenommen, ist also nicht futsch.
Xiao Xu kommt, was mich freut. Dann werden nämlich viele Grundlagen geübt, auch Anwendungen, was ich sehr interessant und nützlich finde. Auch Xiao Xu hat jetzt einen anständigen Winterfummel. Mit Ying Quan geht es weiter, eine wirklich sehr schöne Form. Habe mir natürlich nichts gemerkt und nehme mir fest vor, mit Videounterstützung kräftig nachzuarbeiten. Plauderei mit dem Meister, wie denn der Job wäre? Viel Stress? Jaaaa, ganz viel Stress! Und für die Wohnung müssen auch noch soooo viele Dinge erledigt und besorgt werden! (Eine willkommene Ausrede fürs Nicht- Üben muss man ja haben).
Der Meister erzählt, dass er gerne im Netz surft und chattet. Natürlich auf QQ. Muss ihn morgen mal nach seiner Nummer fragen.
Bin schön entspannt und das mit dem Fa Jing klappt mittlerweile auch bei vielen Bewegungen. Xiao Xus Anhang gesellt sich zu uns, ich lerne seinen Bruder kennen. Locke darf auch ein bisschen mitmachen, wir schubsen uns durch den Park und haben Spaß. Der Meister spendiert mir eine Tasse Tee und schenkt mir eine Mandarine, also bis morgen dann. Klar, gerne, freue mich schon!

Nachmittags:

Würde am liebsten schlafen, aber ich brauche noch ein paar Sachen und vor allen Dingen Wasser von Carrefour. Außerdem könnte ich mir ja im Vegetarian Lifestyle diese leckeren Instant- Nudeln besorgen, dann hätte ich für unter der Woche was zum Abendessen. Werfe mich in Zivilklamotten und schleppe mich mit meiner Einkaufsliste zu Carrefour. Was mich hier etwas nervt: Sobald man in einer Abteilung vor den Produkten wie z.B. Flüssigseife etwas länger verharrt, stürzt sofort eine Bedienstete herbei, fragt, was man möchte und fängt an, einem alles mögliche Zeug unter die Nase zu halten. Ist ja wohl als Dienst am Kunden gemeint, aber ich schaue lieber in Ruhe. Manchmal diskutiere ich aber auch mit denen, so kann man wenigstens die Sprache üben. Und ein Gefühl für den Shanghaier Dialekt kriegen. Muss in der Abteilung für die Neujahrs- Deko schwer an mich halten, da werde ich nächste Woche erst zuschlagen. Aber das Zeug ist einfach zu geil, so was von kitschig! Brauche unter anderem Müllbeutel und kann nicht widerstehen, welche mit Orangenduft zu kaufen. Was es nicht alles gibt!
Nachdem ich meine Einkäufe verstaut habe, fahre ich in die Stadt. Steige am Volksplatz prompt in die falsche Metro ein und muss wieder zurück. Da ich ja sowieso im Lifestyle einkaufen wollte, konsumiere ich hier auch gleich eine absolut phänomenale scharfe Nudelsuppe und ein anderes leckeres Gericht. Mann, ist diese Suppe gut! Und so raffiniert gewürzt! Mit Nelken, Ingwer, schwarzem Pfeffer und ordentlich Chilli! Vegetarische Tom Yam Gong gibt es auch, die werde ich das nächste Mal probieren. Kaufe zwei Sorten meiner Nudeln, jetzt brauche ich aber doch noch Schalen. Na ja, beim nächsten Carrefour- Besuch dann.
Bummel zurück ins Zentrum, schaue bei meinem Lieblingsklamottenladen von „The Thing“ vorbei. Liegt sowieso auf dem Weg. Gerade Schlussverkauf, kaufe eine Kapuzen- Sweatjacke, die von 268,- auf 156,- Yuan runtergesetzt ist. Und in einer Nebenstraße schieße ich die 6. Staffel von „Desperate Housewifes“. Klasse. Die nächsten Abende sind gerettet. Aber mein Ziel ist eigentlich die Fuzhu Lu, die Buch- und Schreibwarenstraße. Zum einen möchte ich ein seriöses Notizbuch, denn ich habe festgestellt, dass bei Besprechungen jeder eines zückt und wichtig mitschreibt. Ich bin die einzige, die lose A4 Blätter benutzt, das geht natürlich gar nicht. Unprofessionell. Zum anderen möchte ich auch so einen Scannerstift, den Lilo hier letztes Jahr gekauft hat. Mit dem Ding rollt man über einen Text, egal auf welcher Oberfläche und das Ding übersetzt auch noch. Angesichts der zahllosen Bedienungsanleitungen, die sich hier mittlerweile angesammelt haben, erscheint mir so ein Werkzeug nicht unnützlich. Vor allem für meine Waschmaschine, denn ich will ja nicht unfreiwillig meine Lieblingsklamotten ruinieren. Auf dem Weg sehe ich zwei (junge) Chinesinnen, die genauso groß oder sogar noch größer als ich sind. Und hübsche Klamotten anhaben. Ich Depp. Warum spreche ich die nicht einfach mal an, wo die so ihr Zeug kaufen? Daran muss ich bei nächsten Begegnungen dieser Art unbedingt denken.
Im Foreign Languages Bookstore verweist mich eine Dame, die hier Taschenübersetzer verkauft, an das Geschäft gegenüber, was den Scan-/ Übersetzerstift angeht. Das hat aber schon zu, sehr früh für selbst für deutsche Verhältnisse. Die Dame schreibt mir die Bezeichnung des von mir gesuchten Gerätes auf chinesisch auf. Also morgen wieder. Kaufe noch ein englischsprachiges Buch mit chinesischen Rezepten. Muss langsam mal lernen, mit dem hiesigen Material zu arbeiten, westliche Küche kann ich mir jedenfalls größtenteils wegen fehlender oder anders gearteter Zutaten und Zubereitungsmöglichkeiten (Backofen) abschminken.
Auf dem Weg zur Metro finde ich auch ein Notizbuch und kaufe zwei der leckeren Vanilleküchlein zum Kaffe.
Zu Hause intensive Internetrecherche zu der Waschmaschine, finde schließlich das baugleiche deutsche Modell. Die Bedienungsanleitung lässt sich leider nicht öffnen, aber ich habe immerhin einen Überblick. Verifiziere meine Rechercheergebnisse anhand des Wörterbuches. Zwischenzeitlich skype ich mit Ali und Stefanie, die gerade von ihrer Laos/ Kambodscha- Tour ins winterliche Mainz zurückgekehrt ist. Leider stürzt ihr Rechner ständig ab, aber die wichtigsten Informationen können ausgetauscht werden.
Und ganz schnell ist es Mitternacht. Wieder nicht geschlafen, wieder nicht geübt, morgen wieder früh aufstehen. Stress.

Freitag, Januar 29, 2010

压力- Stress

Mittwoch regnet es in Strömen und es ist neblig. Abends muss ich zu der für mich zuständigen Polizeistation, um mich offiziell zu registrieren. Die Polizistin ist sehr nett und entspannt, geht alles problemlos. Dass ich meinen Anmeldungsnachweis des Hotels nicht dabei habe, ist auch nicht so wild. Es gibt eine Bestätigung mit fettem roten Stempel. Jetzt ist es amtlich: Ich bin ordentliche Shanghaierin.
Ein weiteres kleines Problem hat sich ergeben: Die für meine Arbeitserlaubnis zuständig Behörde akzeptiert die von mir in großer Zahl aus Deutschland mitgebrachten Passfotos nicht, da sie nicht den Standartmaßen entsprechen. Also muss ich neue machen lassen. Erinnere mich dunkel, in der Metro 3 Station eine Fotokabine gesehen zu haben und trabe da hin, eine ganz schöne Strecke von der Bullenstation aus. Tatsächlich finde ich dort auch eine. Mittlerweile sehe ich aus wie aus dem Kanal gezogen, die Haare sind strähnig und kleben im Gesicht. Der Automat kann sogar Englisch und wir verbringen fast eine halbe Stunde mit lustiger Konversation, Betrachten der Vorschau der Bilder, Hoch- und Runterschrauben des Stuhles und Prüfung und Abgleich der Bilder auf die chinesische Norm. Dass hier aber auch fast alle Geräte Geräusche machen müssen! Schließlich rückt der Automat die Bilder raus, mit Abstand die schlimmsten meines Lebens. Ob die hier so jemandem eine Arbeitserlaubnis erteilen?
Donnerstag nach der Arbeit mache ich mich zur zweiten Runde bei Ikea auf. Bei meinem ersten Besuch hatte ich ja nur der Nötigste erworben. Am Abend vorher habe ich nach stundenlanger Internetrecherche eine Einkaufsliste zusammengestellt. Mittlerweile gehen mir die hässlichen Sessel gehörig auf den Geist, aber am meisten nervt mich die Beleuchtung meiner Bude. Chinesen haben da etwas andere Konzepte als wir, Hauptsache, schön hell. Und dem wird in meiner Wohnung Genüge getan. Also müssen vor allem Leuchten und Überwürfe her.
Heute ist Ikea angenehm leer und ich kann meine Liste bis auf wenige Gegenstände abarbeiten. Trotzdem muss ich viel hin- und her rennen, bis ich das ganze Zeug gefunden habe. Passend zur Puffbettwäsche kaufe ich lila Überwürfe (alle anderen Farben in dieser Größe waren absolut inakzeptabel), Leuchten und diverses Geraffel wie Geschirrhandtücher und Geschirrabtropfgitter, Fußabstreifer etc. Am Ende meiner Tour in der Deko- Abteilung werfe ich noch völlig erschöpft eine Topfpflanze mit Übertopf (Efeu), eine kleine Vase und ein Dreierpack mit hübschen Teelichtern in den Einkaufswagen. Habe beim Einkauf ein gutes Augenmaß bewiesen: Das ganze Zeug lässt sich in den mitgeschleppten Taschen verstauen und transportieren. Nach Hause mit dem Taxi, der Fahrer will mich in eine Konversation verstricken und möchte wissen, welche Abfahrt er nehmen muss. Kann auf einmal kein Chinesisch mehr. Prompt verfährt sich der Trottel und muss mitten auf der Straße wenden, was mit wütendem Gehupe der anderen Verkehrsteilnehmer quittiert wird. Bin völlig entnervt, schmeiße das Zeug in die Bude und hetzte zu Carrefour, wo ich unter anderem eine Flasche relativ preiswerten französischen Landweines an mich raffe. Muss jetzt unbedingt was trinken. Post habe ich auch, anscheinend ein Kontoauszug oder so was. Scheinbar noch für meinen Vormieter.
Der Wein ist überraschend erträglich und ich beginne mit der Aufhübschung meines Heimes. Die Klimageräte springen zunächst nicht an, drücke verzweifelt auf der Fernbedienung rum, worauf das Gerät jedes Mal piepst, aber nichts tut. Als ich kurz davor bin, die Fernbedienung an die Wand zu knallen und mich heulend und zähneknirschend auf dem Boden zu wälzen, föhnt auf einmal doch warme Luft aus dem Gerät. Aha. Anscheinend muss man ein paar Minuten warten, bevor hier Action angesagt ist. Bin wohl zu ungeduldig. Chinesische Klimaanlagen werden für mich ewig ein Rätsel sein.
Die Dekorationsarbeiten dauern bis spät in die Nacht. Die Teelichter entpuppen sich als Duftkerzen, würg. Geht aber, wenigstens riecht es diskret nach Schokolade, Vanille und Tiramisu. Vielleicht ganz OK für eine Raucherbude. Schließlich bin ich zufrieden. Sieht zwar aus wie in einer Studentenbude, aber doch ein großer Fortschritt. Nur der Karton der Waschmaschine stört noch, aber den werde ich morgen diskret entsorgen. Die Woche ist ja dann fast rum.
Seit neuestem stehen an den Metrostationen Damen im Expo- Outfit, die Schilder in der Hand halten. Kann den Inhalt zwar nicht ganz verstehen, aber die Pendler werden wohl aufgefordert, gesittet ein- und auszusteigen und nicht zu drängeln. Schließlich wollen wir Shanghaier ja bei den Expo- Gästen einen guten Eindruck hinterlassen. Mittlerweile habe ich auch das geschmeidige Schlängeln von einer Seite zur anderen in der Metro ganz gut drauf, muss ja zum Glück nur vier Stationen fahren. Meine Größe ist dabei nicht unvorteilhaft, denn so behalte ich den Überblick. Faszinierend: Man denkt immer, der Zug sei jetzt endgültig voll, trotzdem finden an jeder Station immer noch irgendwie Leute Platz. Und ich habe auch schon gesehen, dass das Aufsichtpersonal nachgeholfen hat, indem es zusteigende Personen einfach in den Zug stopfte. Nicht so diskret wie in Tokio, chinesisch grob halt. Metro 8 ist definitiv der ideale Platz für Schmusebedürftige, aber so lernt man seine neuen Mitbürger wenigstens gleich eng kennen.
Bei der Planung der Linie 8 ist den Zuständigen wohl ein Fehler unterlaufen, man hat das Passagieraufkommen völlig unterschätzt. Deswegen sollen ab Montag zur Hauptverkehrszeit probeweise zusätzlich Busse eingesetzt werden, die die selbe Strecke wie die Metro nehmen. Muss ich mal ausprobieren.
Heute ausnahmsweise kein Gerenne. Der mir zugesagte Couchtisch steht im Eingang. Nicht gerade ein Design- Klassiker, aber wenigstens weiß und mit verchromten horizontalen Lisenen an den Stirnseiten und einer Glasplatte. Passt zufällig halbwegs zu der RUTBO- Leuchte von Ikea. Kann also jetzt vor der Glotze abhängen und die Füße hochlegen. Was ich auch sofort tue. Enigstens piepen Glotze und Reciever beim Umschalten nicht.
Über der Stadt hängt fett der volle Mond, nur noch zwei Wochen bis Neujahr. Oder Fastnacht, je nachdem.
Für morgen ist Regen angesagt, sieht aber im Moment nicht danach aus. Aber wer weiss, hier kann sich das Wetter sehr schnell ändern. Also vielleicht kein Training? Wäre mir auch nicht unrecht, dann könnte ich endlich mal ausschlafen. Und endlich mal meine Mails beantworten. Man wird sehen.

Dienstag, Januar 26, 2010

新房子- Neue Wohnung

Mein Boudoir stinkt, als habe jemand eine Tube Silikon in der Ecke entleert. Das sei die Verpackung der neuen Matratze, meint Frau Chen. Will ihr mal glauben, denn dies scheint einer der wenigen Räume zu sein, in dem kein Silikon eingesetzt wurde.
Als ich Montag morgen aufwache, ist mir speiübel und ich habe infernalische Kopfschmerzen. Ob der Wein irgendwie übel war? Nee, Kater fühlt sich anders an. Meine Schwiegermutter ist (nicht ganz zu Unrecht) in großer Sorge, ich könne hier schlimmen Umweltgiften ausgesetzt sein, vielleicht ist die Matzratze in solches?
In der Dusche gibt es einen kleinen Knopf, den man hochziehen muss, damit die Brause anspringt. Der Knopf bleibt nicht oben. Mist. Also mit der einen Hand den Knopf rausziehen, mit der anderen Duschzeug und Shampoo auf dem Luxuskörper verteilen.
Im Büro klage ich Matthew mein Leid, der der Vermieterin gleich einen devoten Brief schreibt und sie auch anruft. Nee, neue Möbel fürs Wohnzimmer ist nicht, und der alte Schreibtisch sollte doch bitte drin bleiben, sie hätten selber so wenig Platz zuhause und wegschmeißen wollten sie das Zeug auch nicht. Sogar ein alter Fuchs wie Matthew muss sich jetzt geschlagen geben.
Nach der Arbeit Stippvisite im Carrefour, den Ikea- Besuch schiebe ich erstmal auf. Erwerb eines vernünftigen Trockengestells, eines Müll- und eines Putzeimers und zwei Flaschen Colas, zweier weiterer Kopfkissen, eines Aschenbechers sowie Pfeffer und Salzes. Habe noch Muskelkater von der Schlepperei gestern und breche fast zusammen. Auch die reizende Lichterkette wandert in den Einkaufswagen. Als ich das Ding zuhause aus der Verpackung reiße, um mein Heim zu verschönern, zerfällt gleich die Hälfte der Lampignons in seine Einzelteile. Der Stecker lässt sich nur mit Mühe in die Dose pressen und das Ding hat einen Wackelkontakt. Made in China. Selbst für hiesige Qualität tiefste Sohle. Bevor ich hier die Bude abfackele, wandert das Ding in die Mülle. Das Schlafzimmer stinkt immer noch fürchterlich. Ji Junior schaut vorbei, lässt sich das Problem mit der Dusche schildern und wird wegen der Möbel angekeift. Man habe mir neue versprochen und dies sei nur Sperrmüll. Wann denn der alte Schreibtisch abgeholt würde? Und wann könne ich denn endlich den Waschmaschinenkarton wegschmeißen? Und wo bleibt mein Couchtisch? Der junge Ji krümmt sich vor Scham und will mit mir über den Schreibtisch diskutieren. Nichts da! Aber den Karton brauche ich nur eine Woche aufheben. Gut, morgen kommt jemand wegen der Dusche vorbei. Und bei der Gelegenheit darf er mir auch gleich mal die Bedienung der Klimageräte erklären. Obwohl er im Gegensatz zu mir die Zeichen auf der Fernbedienung entziffern kann, scheitert er ebenso grandios wie ich. Nach etwa einer halben Stunde des sinnlosen Rumgedrückes schaffen wir es, dass die Geräte warme Luft produzieren.
Bereite mir Pellkartoffeln zu, chinesisch kochen kann ich ja nicht. Unter dem Gasherd fängt es an zu qualmen und zu stinken. Naja, vielleicht, weil das Ding brandneu ist. Aber lieber mal die Türen des Unterschranks öffnen. Als Gestanksquelle im Schlafzimmer entpuppt sich ein Aufnäher auf der Matratze, der unglücklicherweise auch noch am Kopfende platziert ist und der beim Umdrehen knisternde Geräusche von sich gibt. Stehe mitten in der Nacht auf, um das Bett abzuziehen und die Matratze umzudrehen. Mittlerweile bin ich fix und fertig.
Dienstag morgen werde ich mit einem grandiosen Sonnenaufgang belohnt. Meine Wohnung ist wirklich super ausgerichtet. Pumpe einen halben Liter Cola in mich rein, da stimmt mit meinem Magen was nicht. Normalerweise trinke ich so einen süßen Kram nicht, vor allem nicht zum Frühstück.
Metro Linie 8 ist die Hölle, aber ich muss ja nur vier Stationen fahren. Ein kleines Problem gibt es allerdings: Die Quyang Lu ist eine der wenigen Stationen, an der man rechts ein- und aussteigt. Also muss ich mich bis zur Qufu Lu von rechts nach links drängeln, um nicht unfreiwillig meinen Ausstieg zu verpassen. Was aber auch nicht so schlimm ist, denn der wäre dann der Volksplatz und von da läuft man auch nett zum Büro.
Und wieder nach der Arbeit Besuch des Carrefour, mittlerweile sollten die in Jubelgeschrei ausbrechen, wenn die mich sehen. Kaufe einen kleinen Mülleimer für das Bad. (Dazu muss man sagen, dass man hier Klopapier eigentlich nicht in die Toilette wirft, die Leitungen sind zu schwach. Sondern in einen Mülleimer. Finde ich etwas ekelig. Aber da ich aber hier im 17. Stock doch einiges an Rückstau unter mir habe, kümmert mich das wenig). Außerdem eine Klobürste. Und eine Dreckschipp. Und Öl zum Bratkartoffeln machen. Öl wird hier üblicherweise in 3 Liter Einheiten verkauft, was einen beredten Eindruck zu Shanghaier Kochgewohnheiten vermittelt. Finde dann aber doch eine 1,5 Liter Flasche mit Sonnenblumenöl für den Singlehaushalt.
Das Schlafzimmer stinkt nicht mehr, Ji junior schaut vorbei und erläutert mir die Handhabung der Dusche. Man muss den Knopf hochziehen und dann drehen. Aha. So einfach ist das. Die Bedeutung der Knöpfe auf der Klimaanlage hat er mir auch noch aufgeschrieben. Netter Kerl!
Wo er schon mal da ist, wird gleich fröhlich der alte Schreibtisch gemeinsam rausgeschafft. Und die zwei Koffer, die diskret unter einer Decke getarnt im Wohnzimmer standen auch noch. (Habe nicht nachgeschaut, was drin war, aber ich habe keinen Bock, hier das Sperrmülllager zu spielen).
Nach Ji Juniors Abgang fange ich erstmal an, die Bude zu putzen. Ist zwar durch meine Vermieter schon erledigt worden, aber durch anschließende Aufbau- und Umräumarbeiten wurde doch einiges wieder eingedreckt. Die Weisung, den Laminat- Boden nicht nass zu wischen, ignoriere ich einfach.
Endlich kann ich in Socken durch meine Wohnung laufen. Das Wohnzimmer ist schön übersichtlich, viel Platz zum üben. Die Klimaanlagen föhnen warme Luft, während es draußen heftig stürmt. Gut. Morgen muss ich mich bei der Bullenstation meines Distriktes als ordentliche Anwohnerin melden, dann geht es weiter mit der Beantragung der dauerhaften Arbeits- und der Aufenthaltserlaubnis.

Sonntag, Januar 24, 2010

搬家- Umzug

24.01.2010, Sonntag

Was für ein Tag!
Zunächst tue ich heute morgen das, was schon längst fällig war: Ausschlafen!
Dann schmeiße ich mein Zeug in den Koffer, der sich natürlich nicht mehr schließen lässt. Egal, wird alles auf irgendwelche Tüten verteilt.
In der Wohnung rotiert schon die Familie Chen. Herr Ji, Frau Chens Gatte, schraubt gerade einen Ikea- Kleiderschrank zusammen, das Bett hat er schon gemeistert. Für ihn ist diese Tätigkeit sichtlich ungewohnt und im richtigen Leben ist er Medizinprofessor. Ob ich ihm besser helfen soll? Och, wird schon gehen. Die mittlerweile eingerichtete Wohnung wird mir vorgeführt: Rosa Satinvorhänge. Aha. Ist nicht gerade mein Farbschema. Die Waschmaschine ist uralt und hat kein warmes Wasser, dafür kann sie aber schleudern/ trocknen. Inakzeptabel. OK, es gibt eine neue mit warmem Wasser. Das Wohnzimmer ist mehr oder weniger mit Sperrmüll möbliert, aber es gibt einen schönen, großen Schreibtisch mit einem bequemen Stuhl. Außerdem noch einen uralten, den können die Chens gleich wieder mitnehmen. (Der alte Schreibtisch bleibt zunächst noch da, wird später abgeholt).
Mit der Linie 3, in der ich mir durch harte Bodychecks einen Sitzplatz erkämpfe, fahre ich quer durch die Stadt zu Ikea. Leute, Ikea Wallau am 1. November ist ein Dreck hiergegen! Für die Chinesen hat Ikea anscheinend auch hohen Unterhaltungswert, man fläzt sich auf den Möbeln und fotografiert sich dabei. Da ich ja nur eine gewisse Anzahl an Dingen schleppen kann, beschränke ich mich auf das Wesentliche wie Bettzeugs, Bettwäsche, Handtücher und die so genannte „Starter Box“ an Geschirr. Besteck, Teller, Wein- und Wassergläser für 6 Personen, das Ding allein bringt schon stolze 16,5 Kilo auf die Waage. Da wir ja dem Tiger- Jahr entgegensehen, gibt es lustigen Tiger- Fuppes. Kann der Versuchung nicht widerstehen, Platzdeckchen, Topflappen und –wichtig!- Schluffen in Rot mit gelben Tigerkopf zu erstehen. (Diese erweisen sich später als ungemein bequem, muss unbedingt für meine potentiellen Besucher noch welche erstehen. Denn es ist hier Usus, beim Betreten einer Wohnung sofort die Schuhe auszuziehen. Und als guter Gastgeber hat man Puschen bereitzuhalten).
Auch hier werden an der Kasse diese praktischen blauen Tragetaschen verkauft, nur sind die hier leider nur halb so groß wie bei uns. Versuche, unter der Mithilfe eines freundlichen Chinesen die Starter Box in eine der Taschen zu zwängen- Bu xing, klappt nicht. Egal, dann halt so schleppen. Schäle 3.400 RMB aus der Tasche und habe immerhin schon das Nötigste. Mit dem Taxi wird das Zeug in die Quyang Lu geschafft, wo Herr Ji mittlerweile den Kleiderschrank aufgebaut hat. Und eine nagelneue Waschmaschine steht auch schon bereit.
Die Matratze wuchten wir gemeinsam auf das Bett, Frau Chen meint, sie habe extra eine weiche gekauft und ich muss probeliegen. (Frau Schreiber wäre sicherlich anderer Meinung). „Hen schufu“, sehr bequem, befinde ich.
Weiter zu Carrefour, aber erst stärke ich mich bei MC Donald mit einer Portion Fritten und einer Cola, keine Zeit zu verlieren.
Nächstes Abenteuer, Erwerb eines Wasserkochers (zwei Frauen kreischen auf mich ein), einer Pfanne und eines Topfes. Außerdem noch Messer, Schneidebrett, Waschmittel, Korkenzieher und diverse Säuberungsutensilien. Mit Entzücken nehme ich zur Kenntnis, dass es eine eigene Abteilung für Chinesisch Neujahr gibt. Viel Kitsch, auch mit Tigern, aber das muss warten. Doch diese reizende Lampignon- Lichterkette wird das nächste Mal ganz bestimmt mein! Bin mittlerweile völlig überreizt, schaffe es aber gerade noch, in der Lebensmittelabteilung Kartoffeln (im 700 gr Gebinde), Brot, Eier, Butter und Käse an mich zu raffen. Auch eine 5 Liter Wasserflasche wandert in den Wagen, ein Entschluss, den ich noch bitter bereuen werde, denn das Plastik schneidet beim Tragen böse in die Hand. Gönne mir auch noch eine Flasche Chardonnay, jetzt habe ich ja Weingläser und einen anständigen Öffner.
Unter der Last der von mir erworbenen Waren breche ich fast zusammen und schleppe mich keuchend und schwitzend in mein neues Domizil. Die neue Waschmaschine ist angeschlossen und ich werde in den Gebrauch eingewiesen. Geil, das Ding dudelt muntere Weisen, wenn das Programm anfängt oder abgeschlossen ist. Chen (oder vielmehr Ji) Junior richtet das Netz für mich ein, erstaunlich, wie er sich durch das deutsche Menue meines Rechners hangelt.
Ich werde ermahnt, keine Nägel in die Wände zu hauen (Schade!) und beim Einsatz des Warmwasserboilers sämtliche Fenster zu öffnen. (Lebensgefahr?)
Familie Chen ist jetzt auch fix und fertig und rückt ab, ich beziehe erstmal mein Bett (Passend zu den Vorhängen in Lila, hat was von einem Puff), packe den Koffer aus und säubere das Geschirr. Der schicke Schreibtisch wird ans Fenster gerückt, der Sperrmüll an die Wand geschoben. Immerhin ist einer der Sessel auch als Schlafgelegenheit ausklappbar, also können hier auch mal Leute übernachten. Da wird morgen noch ein Ikea- Besuch fällig sein, um das Zeug mit Überwürfen ein wenig aufzuhübschen. Schade eigentlich, dass die Einrichtung so schrottig ist, das Zimmer hat durchaus Potential. Aber andererseits habe ich auch was gegen übermöblierte Wohnungen und so habe ich wenigstens ordentlich Platz zum Üben.
Die musikalische Waschmaschine wird beladen und mit dem Waschmittel von Carrefour befüllt, stinkt erbärmlich. Also nächstes Mal was anderes. Dafür riecht wenigstens das Geschirrspülmittel lecker.
Zur Wäschetrocknung hat mir Frau Chen einen wackeligen Kleiderständer zur Verfügung gestellt, auch sie meint, dass es nicht klug wäre, Zeug aus dem 17. Stock zu hängen. Sehe ich genauso, zumal es gerade anfängt, zu regnen. Schmeiße also meine nassen Klamotten über den Ständer und platziere diesen unter dem Klimagerät, das im Wohnzimmer ganz gut abföhnt. Das im Schlafzimmer kann ich nicht so leicht bändigen, aber nach hektischem Rumgedrücke auf der Fernbedienung produziert auch das einen warmen Hauch.
Bin jetzt soweit ganz zufrieden mit meinem neuen Heim, wird schon. Einzig der riesige leere Karton, in dem die Waschmaschine geliefert wurde, stört doch ein wenig. Frau Chen meint, wir sollten den mal bis zum Garantieablauf in einem Monat aufheben, falls an der Maschine was sein sollte. Na gut, wenn es sein muss. Wenigstens funktioniert das Netz, mein Koffer ist ausgeräumt und ich kann morgen anständig frühstücken- Was willste mehr! Chat mit Lilo, zum Glück funktioniert alles.
Und jetzt sitze ich mit einem Glas Wein in einem sehr bequemen Stuhl, lasse meinen Blick wohlgefällig von hoch oben über meine Nachbarschaft schweifen, während neben mir meine Wäsche trocknet. Nebenan wartet ein frisch bezogenes Bett, in das ich mich gleich kuscheln werde. Das Leben ist schön.

Samstag, Januar 23, 2010

周末- Wochenende

23.01.2010, Samstag
Vormittags:

Bin leicht verspätet beim Training, was aber nichts macht, da weder Xiao Lu noch der Meister da sind. Dafür aber Xiao Xu, der pummelige Knabe mit den guten Manieren. Es ist so um die null Grad, aber die Sonne scheint wenigstens. Meister Wu kommt eine halbe Stunde zu spät, der arme Mann hat Halsweh. Fürsorglich frage ich, ob er lieber ausruhen will? Nee, nee, geht schon. Wegen Xiao Xu gibt es Anfängerprogramm, das ist mir auch nicht unrecht. Kippenpause mit dem Perückenmann, Locke hatte bei den ungemütlichen Temperaturen wohl keinen Bock. Ich darf des Meisters leckeren Pu´er Tee probieren, den ihm ein sehr wohlhabender Schüler wohl immer schenkt. Das Zeug kostet mehrere hundert RMB pro Hundert Gramm, sozusagen der Mercedes unter den Tees. Früher habe er billiges Zeug getrunken, sagt der Meister, jetzt hat er einen verwöhnten Gaumen und trinkt nichts anderes mehr. Xiao Xu ordert Winterfummel, der Meister hat einen neuen Schneider gefunden. Besser und billiger. Na ja, bin ja zum Glück gut ausgestattet, was Fummel angeht.
An Ying Quan wird weitergearbeitet, gleich mal ganz schön komplizierte Drehungen. Zum Glück habe ich das auf Video, dann kann man zu Hause schön nacharbeiten. Meister Wu weist darauf hin, wie vielseitig unser System doch sei: Es gäbe Einzelbewegungen, Schrittfolgen und Formen, andere Stile hätten das alles nicht. Interessant, so habe ich das noch nie betrachtet.
Teile dem Meister mit, dass ich morgen umzöge und deswegen nicht trainieren käme. Alles klar, dann nächste Woche Samstag wieder.

Nachmittags/ Abends:

Mache das, was jeder vernünftige Chinese mittags tut: Ein kleines Schläfchen. Als ich aufwache, habe ich doch ganz schön Hunger, habe ja nur eine Handvoll kandierter Walnüsse den ganzen Tag gegessen. Ich beschließe, zum Volkspark zu traben und mir da bei „Hello Pizza“ einen Teigfladen zu gönnen. Der Laden ist zwar auch nicht der Bringer, aber Klassen besser als Pizza Hut.
Am Volkspark angekommen, muss ich zu meinem Verdruss feststellen, dass „Hello Pizza“ einem französischem Bistro gewichen ist. Mist, also doch das grässliche Pizza Hut, habe keine Lust, groß durch die Gegend zu traben. Fange an, den Krimi, den mir Ali geschenkt hat, zu lesen. Der spielt in Mainz zur Fastnachtszeit, vor allem in der Altstadt. Sämtliche Kneipen und auch die Grebenstraße werden erwähnt. Kommt mir merkwürdig vor, wo ich hier so aus dem Fenster alle diese blinkenden Hochhäuser sehe, alles so unwirklich. Wenn ich in Mainz Bücher, die in Shanghai spielten, gelesen habe, war das nie so.
Gestärkt mache ich mich auf den Heimweg und fange im Hotel schon mal an, Koffer zu packen. Mein Koffer war ursprünglich mal ein logistisches Meisterwerk, aber nach etwas mehr als einer Woche des ständigen Hin- und Herräumens ist davon nicht mehr viel übrig. Egal, muss ja nur ein paar Kilometer im Shanghaier Stadtgebiet überstehen, keinen Langstreckenflug. Bin gottfroh, endlich hier rauszukommen. Zwar kann ich morgens schön an Suzhou- Kanal entlang zur Arbeit laufen und bin auch relativ schnell im Stadtzentrum, aber die Gegend hier ist öde und langweilig. Kein Geschäft oder Imbiss in der Nähe, total tote Hose. Außerdem möchte ich endlich mein Zeug auspacken und es mir gemütlich machen, jeden Tag den Koffer zu durchwühlen ist einfach nervig mit der Zeit.
Das Fernsehen überträgt das Spiel Bayern München gegen Werder Bremen, die Partie der Mainzer verfolge ich per Live- Ticker und beneide Elli und jb darum, dass sie sich das momentan gerade im Stadion anschauen dürfen. In der vierten Minute schon die Führung, grandios!
Mail von Stefanie aus Kambodscha, hört sich witzig an. Freue mich schon darauf, wieder mit ihr zu reden, wenn sie wieder in Mainz ist.
Morgen erstmal umziehen und einkaufen, das wird stressig. Hoffe, dass das Internet in der Bude auch tatsächlich funktioniert, wenn nicht, dann halt erstmal ein paar Tage Sendepause.

Freitag, Januar 22, 2010

黄泉- Hades

22.01.2010, Freitag

Stressige, aber interessante Woche. Heute erhalte ich meine Visitenkarten (Senior Architect- Das muss ich erstmal sacken lassen) und den Büroschlüssel. Der ziert also als erster den mir von Ali geschenkten Wutzen- Schlüsselanhänger.
Mir wird schlagartig bewusst, dass ich normalerweise heute abend trainiert hätte und anschließend mit den Mädels und gelegentlich auch Jungs in Heiligen Aal einen saufen gegangen wäre.
Training fällt ja wohl flach, denn das gibt es morgen bei Meister Wu. Aber Saufen wäre eine Option.
Habe auf einmal wahnsinnige Lust, auf Einkaufsbummel zu gehen und schon mal Zeug für die Wohnung zu sichten. Ein Kollege hat mir erzählt, im Einkaufszentrum am Zhongshan Park gäbe es einen recht witzigen Laden, also will ich da mal hin.
Komme dann leider doch erst recht spät von der Arbeit weg und steige prompt an der falschen Metrostation um und aus. (Zhongshan Road, nicht Park). Also wieder zurück in die Metro, am Hauptbahnhof muss ich umsteigen. Nun muss man dazu mal sagen, dass man da nicht einfach eine Rolltreppe hochfährt und auf dem nächsten Gleis steht. Nein, an der Shanghai Railway Station muss man beim Umsteigen von Linie 1 auf Linie 3/4 unterirdisch durch ein Labyrinth von Gängen laufen. Da ich dieses Gewirr aber ziemlich gut kenne (bei meinem letzten Aufenthalt bin ich hier täglich umgestiegen), lasse ich mich einfach treiben. Und stehe plötzlich vor einem Gitter. Die Unterwelt wird anscheinend renoviert. Man muss zur Oberfläche hinaufsteigen, um die Züge zu wechseln. Und der Vorplatz der Shanghai Railway Station entspricht in ihren Dimensionen nicht gerade dem des Mainzer Hauptbahnhofes. Hinzu kommt noch, dass seit vorgestern die Zugfahrkarten für das Frühlingsfest im Handel sind und Millionen von Wanderarbeitern zu dieser Zeit in die Heimat zurückwollen. Der erste Schub der Fahrkarten war natürlich im Nu ausverkauft, auf dem Platz blüht der Schwarzhandel. Eine sanfte Frauenstimme gemahnt aus Lautsprechern zur Ruhe, allerdings in ohrenbetäubender Lautstärke. An der Wand des Bahnhofes flimmern großformatig Reklamevideos, wohl um die Massen einzulullen. Blade Runner. Mir wird allerdings kein Ticket angeboten. Sehe ja auch nicht aus wie eine Wanderarbeiterin. Obwohl ich das streng genommen eigentlich bin.
Irre zunächst hilflos umher, finde aber dann doch die Metrostation, schlängele mich geschmeidig hinein und schnappe einem fetten Chinesen den letzten Sitzplatz weg. Der hängt sich missmutig an die Haltegriffe, süffelt seine Sprite und schmeißt die leere Flasche bei der nächsten Station aus dem Zug, kurz bevor sich die Türen schließen. Was für ein Arschloch. Er bemerkt meinen giftigen Blick (Teil unseres Trainings) und schämt sich offensichtlich.
Als ich im Zhongshan Park das Einkaufszentrum erreiche, bin ich zu fertig, um noch entspannt zu bummeln. Und dieses Ding ist riesig. Und wenn ich das sage, meine ich: Selbst für hiesige Verhältnisse riesig. Lediglich die Super Brand Mall in Pudong ist wohl g i g a n t i s c h hiergegen. Also, Shanghai Touristen:
Als Ehegatten erzählt ihr euren Gemahlinnen besser nichts davon. (Obwohl wir Frauen sehr findig im Aufspüren dieser Dinge sind).
Als Ehefrauen plant für diese beiden Malls mal zwei Tage entspannten Shoppens mit gelegentlicher Massage, Nagelpflege und Nahrungsaufnahme ein. Die Kerle können sich ja in der Zwischenzeit die Formel- 1 Strecke oder diverse Elektroläden anschauen.
Schnelle und oberflächliche Bestandsaufnahme der angebotenen Waren, Shoppinghölle. Gebe schließlich auf und trabe in den Carrefour. Freunde, Real in Bretzenheim am Wochenende ist nichts dagegen. Dieser hier ist wie der Rest der Mall gigantisch. Und es gibt eine Abteilung mit importierten exotischen Gütern wie etwa Ritter Sport Schokolade. Raffe verwirrt einheimische Knabbereien wie kandierte Walnüsse, Chipse und Pistazien in meinen Korb und flüchte in die Alkoholika- Abteilung. Zu meinem Verdruss ist bis auf einem völlig überteuerten Riesling kein deutscher Weißwein am Start. Neben mir materalisiert sich eine zierliche Chinesin, die mich berät. Die will einem Meenzer Mädsche was über Woi erzählen?! Weil mir die Konversation Spaß macht, lasse ich mir schließlich zwei Flaschen französischen Chardonnays für ca. 8,- € die Pulle andrehen. Bei Rewe hätte ich für die Brühe nicht mal die Hälfte bezahlt, aber was soll es. Die Maid beglückwünscht mich zu meiner hervorragenden Auswahl und schleust mich zu einer Sonderkasse, ausländische Preziosen müssen anscheinend extra bezahlt werden.
An der Hauptkasse werde ich schon wieder elektrisiert. Es gibt es hübsche Tragetaschen. Recyclebar. Umweltfreundlich. Sehr groß und nur etwa 4,60 das Stück. Zwei Varianten. Ich sehe zunächst nur Variante eins: Knallrot, mit Neujahrswünschen und einem lustigen Tigerlein. Die Tasche wandert aufs Band.
Variante zwei: Sehr geschmackvoll, sehr schöne Farbgebung, eher traditionell. Mit einem hübsch kalligraphiertem Schriftzeichen, das ich allerdings nicht entziffern kann. Den Tiger sehe ich nicht sofort, er ist diskret an der rechten unteren Ecke der Tasche hingetuscht. Auch die Großkatze klassisch, auf der einen Taschenseite einer im Profil, auf der anderen Seite einer, der sich gerade abwendet. (Habe mir vor ein paar Jahren von einem deswegen sehr nervösen Chinesen sagen lassen, dass von oben nach unten herabsteigende Tiger nichts Gutes verheißen und ihm zuliebe an dem Abend alle Bilder umgedreht).
Der Typ vor mir in der Schlange sieht, wie ich beide Taschen an mich raffe und erwirbt spontan Variante eins.
Als ich im Hotel ankomme, ist es mittlerweile 21:30. Beim Entkorken der Weinflasche bricht mein eigens für diesen Zweck mitgenommenes Schweizer Offiziersmesser ab. Scheiße, und mit solchem mangelhaften Material wollen die Schweizer ihr langweiliges Land verteidigen? Das schreit ja geradezu nach Besatzung.
Und noch einem weiteren Bedürfnis wird Genüge getan: Letzte Woche haben mich meine Nachbarn hier kaum schlafen lassen. Ständig wurde gestritten, ständig lief die Glotze auf Maximallautstärke. Also habe ich heute zum Aufwärmen erstmal mit „Orpheus in der Unterwelt“ von Jaques Offenbach dagegen gehalten.
Jetzt ist nebenan Ruhe. Wahrscheinlich vor Entsetzen erstarrt, nachdem sie in den Genuss meiner Lieblingsoper, „Entführung aus dem Serail“ von W.A. Mozart aus scheppernden PC- Lautsprechern gekommen sind. Und natürlich habe ich auch mitgesungen, vor allem meine Lieblingsarien. Gar nicht so leicht, abwechselnd Tenor und Bass zu singen. Vor allem, wenn man in dieser Hinsicht völlig talentfrei ist.
Vivat Bacchus.



Donnerstag, Januar 21, 2010

检查身体- Gesundheitstest

21.01.2010, Donnerstag

Tatsächlich sind über Nacht die Temperaturen locker um 10- 12° gefallen, es ist bewölkt und regnreisch und es weht ein unangenehm frischer Wind. Da wird direkt die gute alte Klimaanlage wieder dröhnend auf die höchste Stufe hochgeleiert.
Und ab heute sind es nur noch exakt 100 Tage bis zur Eröffnung der Expo. Wage mir gar nicht auszumalen, was dann hier los sein wird. Wie gut, dass ich eine Wohnung habe, bestimmt fällt bald das ganze Personal der diversen Nationen ein und treibt die Preise in die Höhe. Die Hotels jedenfalls sollen während der Expo bis zu 20% teurer werden.
Matthew fragt, ob mir denn meine Vermieterin eine Quittung über die Kaution ausgestellt habe? Nein? (Bin halt sehr gutgläubig). Sofort ruft er Frau Chen an und erinnert sie höflich, aber bestimmt, mir doch Sonntag dann eine auszustellen. Erneut wird die Bettenfrage diskutiert. Anscheinend hat Frau Chen Angst, ich könne als groß gewachsene Langnase in das von ihr gewählte Modell nicht reinpassen, erst recht nicht zusammen mit meinem hünenhaften Gatten. Deswegen will sie vorsichtshalber mal ein 2,00x 2,00 m Bett ordern, was mir angesichts der geringen Größe meines Schlafgemaches dann doch etwas üppig erscheint. Die 1,50 m Betten sind allerdings nur 1,90 m lang, das ist wirklich zu kurz. Schließlich einigen wir uns auf 1,80 m Breite und 2,00 m Länge. Und Internet gibt es ab Sonntag auch.
Das mit dem Mietvertrag ab Donnerstag war übrigens kein Versehen von Matthew. Er hat lediglich durchgesetzt, dass ich schon am Sonntag einziehen kann und mir somit vier Tage Hotel gespart. Dieser Fuchs!

Mittags dann der Gesundheitstest, dazu muss ich mit dem Taxi quer durch Shanghai in einen Außenbezirk nahe des Zoos gurken. Also, so weit draußen möchte ich echt nicht leben. Auf dem Weg zum Hospital betrachte ich mir die diversen Wohnblocks und frage mich, ob mir das gefallen könnte. Sicher nicht, jedenfalls nicht am Rand einer Schnellstraße. Einige stehen sehr eng zusammen oder haben keine sonderlich spannende Aussicht, die Balkone sind bei den meisten sowieso zugebaut und zu Wohn- beziehungsweise Stauraum umgewidmet. Na ja, der gemeine Chinese sitzt halt in lauen Sommernächten nicht unbedingt auf seinem Balkon und genießt ein Weinschorle.
Es muss auch mal gesagt werden, dass es in Shanghai Unmengen von wirklich grauenhaften architektonischen Entgleisungen gibt, vor allem, je weiter man sich vom Stadtzentrum entfernt. Hochhäuser mit stilisierten griechischen Säulen und goldenen Dächern, protzige Wohntempel- alles vorhanden. Allerdings macht die schiere Masse dieser Sammelsurien diese Stadt schon wieder einzigartig und faszinierend. Und natürlich gibt es auch gute Architektur und schöne alte Viertel. (Ganz nebenbei:
Hier eine kleine Sightseeing- Anregung für Lilo „Hello Kitty“ A. für ihren Shanghai- Besuch im Mai.
In der Klinik läuft alles ziemlich reibungslos, der gute Matthew hat ja auch für mich schon vorab einen Termin klargemacht. Man bekommt ein Formular mit Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand in die Hand gedrückt, das man nach bestem Wissen ausfüllt. Da mir die Verneinung aller Fragen etwas unglaubwürdig scheint, kreuze ich bei „Operation“ und „Hospitalisation“ einfach mal „Ja“ an und schreibe in die Erläuterungszeile „Appendix removed“. Was Schilddrüse auf englisch heißt, fällt mir gerade nicht ein. Dann wird man aufgenommen, zahlt seine Gebühren und begibt sich in den Untersuchungsbereich.
Um gleich mal alle im Internet kursierenden Horrorgeschichten zu entschärfen: Nein, das Hospital ist keineswegs abgewrackt und unhygienisch. Nein, das Personal ist des Englischen durchaus mächtig und recht freundlich. Im Gang an der Blutabnahmestation stehen sogar Wasser, Schokolade und Kekse bereit, deren Qualität ich jedoch nicht beurteilen kann, da ich keine esse. Nein, das Röntgengerät ist kein ausgemusterter sowjetischer Atomreaktor.
Zunächst wird man gemessen und gewogen, anschließend macht man sich in einer Umkleidekabine oben frei, (nein, nicht ganz nackig), legt den ausgehändigten (keineswegs fadenscheinigen) Bademantel an und zieht blaue Plastiksäcke über die Schuhe. Dann wird einem Blut abgenommen (nein, die Krankenschwester findet die Vene sofort und muss nicht dreimal ansetzen, weh tut es auch nicht), ein EKG gemacht, der Brustkorb geröntgt, ein Ultraschall der unteren Bauchregion gemacht, der allgemeine gesundheitliche Zustand mit Blutdruckmessung erhoben und dann muss man noch zum Sehtest (der allerdings wirklich ziemlich albern ist). Die Reihenfolge dieser Untersuchungen hängt vom Patientenaufkommen ab, freundliche junge Schwestern regeln das im Gang, so dass die ganze Prozedur zügig und reibungslos abläuft. An jeder Station setzt der Arzt seinen Stempel in die entsprechende Zeile und schreibt seine Diagnose. Ist man fertig, kleidet man sich wieder um und liefert seine Untersuchungsergebnisse an einem Schalter ab. Gegen geringes Entgelt kann man sich die Ergebnisse zuschicken lassen, so muss man nicht extra wieder in die Klinik fahren.
Mir werden die Papiere ins Büro geliefert, sie sollten Montag ankommen. Da ich davon ausgehe, dass ich gesund bin (schließlich knurrte gerade die ganz strenge Ärztin: „Good. Everything normal.“) geht dann das Abenteuer weiter: Beantragung der Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung bei der Ausländerbehörde in Pudong. Da kenne ich mich ja zum Glück aus. Aber als nächstes steht mir ja noch der Umzug bevor.

Mittwoch, Januar 20, 2010

办东西- Dinge erledigen

20.01.2010, Mittwoch

Vermieterin:

In Shanghai sind es frühlingshafte 18° (soll aber ab morgen wieder massiv kälter werden) und nach zähen Verhandlungen mit meiner Vermieterin hinsichtlich Preis, Ausstattung und Zahlungsmodalitäten für die Wohnung kann ich heute endlich den Vertrag unterschreiben. Besonders bei letzteren hat Matthew brilliant gezockt, denn ich muss nur eine Miete Kaution vorlegen und kann monatlich bezahlen. (Normal sind hier drei Monatsmieten im Voraus). Sonntag Mittag kann ich einziehen, da wird dann erstmal eine große Tour zu Ikea fällig, da ich mir ja den ganzen Hausstand neu zulegen muss. Stelle aus deren Online- Katalog schon mal die Dinge zusammen, die ich brauchen werde und kriege eine erste Vorstellung über die zu erwartenden Ausgaben.
Der Vertrag ist auch der anderen Partei zur Kenntnis zugegangen, da ruft Frau Chen an: Naja, also, mit der Erwähnung des Flachbildschirms im Vertrag sei ihr Gatte irgendwie nicht so einverstanden. Der meine, ein ordinärer Fernseher täte es auch. Sie selber aber habe nichts gegen Flachbildschirme, aber ob wir diese Klausel vielleicht einfach nur auf „Fernseher“ ändern könnten? Dann gäbe es da noch ein klitzekleines Problem, die Möbel würden erst Sonntag Vormittag geliefert, das Bett erst Mittwoch, ich könne also erst am nächsten Donnerstag einziehen. Und den Internetanschluss würde sie dann Sonntag beantragen.
Daraufhin wird Matthew ziemlich ungehalten. Ob er nach einer anderen Wohnung für mich suchen sollte? Nee, auf die paar Tage soll es dann auch nicht mehr ankommen, wenn ich schon vorher Zeug da reinschaffen kann. Wieder Anruf bei der Vermieterin und 20 Minuten lang erbittertes Gekreische. Matthew ereifert sich, das Hotel wäre sauteuer, ich müsse schnell da raus. Und das Internet müsse SOFORT beantragt werden, schließlich würde ich auch wegen der Zeitverschiebung zwischen Deutschland und China spät zu Hause noch arbeiten, Sonntag muss die Leitung stehen. Also gut, Einzug Sonntag Nachmittag. Für die Übergangszeit gibt es halt ein anderes Bett.
Matthew fragt mich augenzwinkernd, ob ich denn die chinesische Art des Schmeichelns beherrschte? So könne ich Frau Chen vielleicht dazu bringen, doch noch mit dem Flachbildschirm rüberzukommen. Ich mache es ihm vor, er lacht und meint, die Glotze habe ich sicher.
Fahre zur Wohnung, um mich mit Frau Chen zu treffen, mittlerweile wird die Bude gerade gesäubert. Die Fronten der Küche erstrahlen in mutig ausgewähltem quietschgrünem Lack, an der Decke des Wohn- und des Schlafzimmers hingegen sind Aufbauleuchten in eher traditionell chinesischem Design angebracht. Oha, bin mal auf die Möbel gespannt. Hoffentlich ist Frau Chen da einigermaßen geschmackssicher. Sie hat ihren Sohn als Übersetzungshilfe mitgebracht, ich leite sofort auf chinesisch das volle Schmeichelprogramm ein, strahle sie an und bedanke mich umfänglich für ihre Mühen. Ich sei ja soooo froh, schnell einziehen zu können!
Während sie und ihr Sohn aufmerksam den Mietvertrag studieren, erkunde ich mein neues Reich. Sieht so geputzt nicht schlecht aus. Erspähe einen Spielplatz, vielleicht kann man da üben. Oder im Hausflur, der ist auch groß genug. Meine neue Nachbarschaft wird noch Spaß an mir haben. Auch für die das Wäschetrocknungsproblem gibt es eine Lösung: Wird auf chinesische Art gemacht. Das heißt, an der Außenwand ist vor dem Wohnzimmerfenster ein Rohrrahmen mit ca. 2,00 m Auslegung abgespannt. An den beiden Enden des Rahmens sind fünf Ösen in regelmäßigen Abständen nebeneinander geschweisst. Die nasse Wäsche fädelt man dann auf Bambusstangen, die man durch diese Ösen auf den Rahmen auflegt. Oha, ich soll im 17. Stock meinen klatschnassen Fummel 2,50 m weit aus dem Fenster balancieren? Und an der miesen Luft hier trocknen und ungeschützt den Elementen aussetzen? Da wird mir was einfallen müssen.
Frau Chen unterschreibt den Vertrag, ohne zu murren. Das Bettproblem wird angesprochen. Ich will wissen, wie groß das sei? Nur für den Fall, dass mein Mann mich ab und an mal besuche. Frau Chen fragt, wie groß der denn sei und erbleicht, als ich ihr Alis Körpergröße nenne. Nein, nein, versichere ich schnell, 1,50 m Breite wäre völlig ausreichend. Der Herr Gemahl käme ja nur ein- bis zweimal im Jahr für ein paar Wochen, das passt schon so. Also dann, Sonntag 12:00 Schlüsselübergabe.
(Abends im Hotel angekommen muss ich feststellen, dass der tüchtige Matthew bei all dem Hickhack aus Versehen als Vertragslaufzeit doch den Donnerstag, 28.01.10 eingesetzt hat. Scheißegal, merkt hoffentlich niemand. Ich jedenfalls werde Sonntag mit meinem Geraffel auf der Matte stehen).

Bankkonto:

Nach dieser Transaktion begleitet mich Jiajia, die quirlige kleine Büroassistentin zur Bank, um die nächste Sache über die Bühne zu bringen. Sie hilft mir, ein Konto bei der Bank of China zu eröffnen. Für eine Architektin muss es natürlich diese Bank sein, wer sich im damals noch britisch besetztem Hongkong eine derartig abgefahrene Zentrale bauen lässt, muss ja was drauf haben.
Die Filiale ist sehr klein, Jiajia füllt die Formulare schön aus, ob ich auch Internet- Banking wolle? Klar will ich. Läuft auch alles ganz glatt, bis der Scherge meinen Pass etwas genauer studiert und hinsichtlich der Namen dann doch Zweifel aufkommen. Warum hinter „Bettina“ noch ein zweiter Name stünde? Und beim Familiennamen auch noch einer? Und was geb. zu bedeuten habe? Jiajia erklärt ihm, dass in Deutschland Frauen bei der Verehelichung oft den Namen ihres Gatten annähmen, der alte Name stünde dann hat noch im Pass. Der Scherge gibt sich zunächst mal damit zufrieden, dann tauchen seine Vorgesetzten auf und die ganze Debatte beginnt von neuem. Wieder minutenlanges Gekreische. Anscheinend geht das in China nicht anders. Ich wedele meine diversen deutschen Bankkarten mit meinem Vor- und Zunamen drauf vor den Nasen des Schergen und seiner Obermotze auf und ab, aber auch das beeindruckt die wenig.
Schließlich einigt man sich, dass als Kontoinhaberin zuerst mein Nach-, dann mein Vorname genannt werden. Wie man das hier in China halt so macht. Jede Menge Dokumente werden abgestempelt, unterzeichnet, gegengezeichnet und über den Tresen geschoben, die selbst gewählte Geheimnummer Dutzend Mal eingegeben. Schließlich bekomme ich ein Sparbuch mit sagenhaften 5 RMB Guthaben, darf ein Los ziehen (leider Niete) und kriege noch einen Taschenkalender sowie meine Bankkarte. Auf Kalender und Karte prangt ein niedlicher Tiger, klasse! Da soll sich die Mainzer Volksbank mal eine Scheibe von abschneiden. Außerdem erhalte ich einen merkwürdigen, etwa USB- Stick großen Gegenstand mit Befestigungsöse, auf dessen Digitalanzeige eine Zahlenfolge blinkt, die sich im Minutentakt ändert. Keine Ahnung, wozu das Ding gut ist, ein schicker Schlüsselanhänger der BoC für Neukunden vielleicht? Aber mit dem Teil zusammen wird mir auch ein Zettel mit ordentlich Stempeln gereicht, auf dem der Schalterscherge eine Ziffernfolge einkringelt und meint, das wäre fürs Internet- Banking.
Zu Hause will ich doch gleich mal sehen, wie so was hier so läuft und rufe die Webseite der BoC auf. Muss zunächst mal irgendwas runterladen, wahrscheinlich wissen die BoC und der Geheimdienst jetzt bestens über mich Bescheid.
Es wird nach dem Benutzernamen, dem PIN (beides achtstellig) und dem e- Token (sechsstellig) gefragt. Probiere zunächst mal alles mögliche aus und bin etwas ratlos. Zum Glück habe ich in meiner Jugend genug Abenteuerspiele am Rechner gezockt und daher eine hohe Frustrationstoleranz in diesen Dingen. Schließlich ahne ich große Zusammenhänge: Sollte das Blinkeding etwa der e- Token sein? Tippe also bei Benutzernamen die Nummer vom Zettel ein, Geheimnummer ist klar und schließlich dann die Nummer, die der heilige Token aktuell zeigt. Schwupps bin ich eingeloggt und muss erstmal Benutzernamen und PIN ändern, bevor ich auf meine Reichtümer zugreifen kann. Voller Erregung melde ich mich ab und mit den neuen Daten und der Nummer des magischen Token wieder an. Klappt. Wie abgefahren ist das denn! Bin ich denn so ein Landei, dass ich noch nie von so etwas gehört habe? Warum gibt es das nicht bei uns, aber in China? Ob das am chinesischen Hang zur Mystizität liegt? Bin jedenfalls schwer beeindruckt und mein Respekt vor der Bank of China steigt
.

Morgen dann Medical Examination, das sollte allerdings nicht ganz so aufregend werden.

Dienstag, Januar 19, 2010

Verpennt

17.01.2010, Sonntag

Vormittags:

Verschlafe natürlich prompt und springe ungeduscht in meine Klamotten. Aber die neue Thermoskanne wird natürlich noch hastig befüllt. Komme eine halbe Stunde zu spät in den Park, wo der Meister mit Xiao Lu schon Schrittfolgen für Fortgeschrittene übt. Die darf ich auch gleich mitturnen. Etwas später erscheinen auch Jeremy und Locke mit einem Kumpel, diese beiden beschränken sich allerdings nur aufs Zuschauen, quatschen und Rauchen. Der Meister und Jeremy machen Tui Shou, mir wird von Xiao Lu die Schrittfolge und ein weiterer Teil von Ying Quan beigebracht. Meine Thermoskanne wird bewundert.
Die Sonne strahlt, es wird wärmer, was für ein wundervoller Tag.
Wir üben fröhlich vor uns hin, als plötzlich auch das Mädel auftaucht, zu dem ich letztes Jahr so zickig war. Das arme Ding steht am Rand, versucht ein wenig mitzumachen und wird von allen weitestgehend ignoriert. Xiao Lu zischt mir zu, er werde sie unter keinen Umständen unterrichten. Mir tut das Mädel ziemlich leid, aber ich bewundere ihre Hartnäckigkeit. Wenn die das seit Oktober jeden Sonntag so macht- Chapeau! Ich hätte von dieser Macho- Bande schon längst die Schnauze voll gehabt.

Nachmittags/ Abends:

Schmeiße mich in Gammelklamotten und falle ein paar Stunden in totenähnlichen Schlaf. Irgendwann musste die Zeitverschiebung mich ja einholen. Trotz des Super- Wetters habe ich keine Lust, vor die Hütte zu gehen, lieber hänge ich ab, denn ich will morgen ja fit sein.
Der Tagespresse entnehme ich, dass der Shanghaier Zoo die größte Tigergruppe auf dem chinesischen Festland hat. Na, dann muss ich da aber unbedingt mal hin! Fehlt noch auf meinem touristischen Programm.
Des weiteren ist zu lesen, dass ab dem 1. November (also pünktlich nach dem Schluss der Expo) hier eine Volkszählung durchgeführt werden soll, in der auch die in Shanghai lebenden Ausländer erfasst werden sollen. Klasse, dann kann ich mich also auf den Besuch eines Volkszählungsgenossen einstellen. Wird bestimmt lustig.
Da ich mich die letzten beiden Tage so gesundheitsbewusst ernährt habe, fresse ich eine Tüte Chipse und gehe früh ins Bett.