Samstag, Januar 16, 2010
Karnevalsverein
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Uffbäpper 05, china 10, trivial, verkacken, weltschmerz
Action, Baby!
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Freitag, Januar 15, 2010
Alte Freunde, neue Freunde
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Donnerstag, Januar 14, 2010
Shanghai one way #2
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Dienstag, Januar 12, 2010
Abschied ist ein scharfes Schwert
Bin Freitag zu erledigt, um ein Abschiedstraining zu absolvieren. Deshalb schaut Elli Montags in ihrer Mittagspause vorbei und schenkt mir einen bronzefarbenen Anstecker mit dem Dom, dem Stadtwappen und dem Schriftzug "Mainz". Das Ganze hat sie liebevoll verpackt. Wie lieb von ihr, den werde ich in der Ferne bestimmt oft tragen. Abends kommt Lilo, letzte Gespräche und Klärung von Vereinsangelegenheiten. Sie freut sich schon auf ihren Wudang- Aufenthalt im Mai, dann werden wir uns wiedersehen. Den Flug hat sie jedenfalls schon gebucht. Zum Glück sind wir so ein internationaler Haufen.Dann kommt das Schlimmste: Koffer packen! Bin in totalem Streß, die bewegendste Frage ist natürlich, welche und wieviele Schuhe ich mitnehme. Bei meiner Größe dürfte es in China schwierig werden, welche zu kaufen und als Dame von Welt will man ja anständig gewandet sein. Schließlich platzt der Koffer aus allen Nähten und wiegt 32 Kilo, das wird morgen unschön. Tonnenweise Bücher nehme ich im Handgepäck mit, die leckeren Haferkekse müssen zugunsten eines Reiseführers zurückbleiben. Den restlichen Kram kann Stefanie mir ja dann vielleicht im April mitbringen.
Als Henkersmahlzeit gibt es Käsefondue, mir kracht die Schwarte. Grüner Silvaner des Weinguts Wittmann wird entkorkt, den hatten uns die Nachbarn zu Weihnachten geschenkt. Witzigerweise habe ich in meinem alten Büro mann + schneberger (Gute Jungs, nicht der, der mich gefeuert hat) den Umbau und die Erweiterung zweier Kelterhallen für dieses Weingut betreut, da mundet der Wein natürlich doppelt so gut. Nochmal ab in die Badewanne, wer weiß, was ich in Shanghai für eine Klitsche bewohnen werde. Mit Sicherheit eine ohne Badewanne.
Zum letzten Mal für lange Zeit genieße ich bei einem hervorragenden Glas Weisswein ein schnelles und vor allem unzensiertes Internet. Als ich mein geliebtes Mainz Daily Photo aufrufe, bin ich vom Donner gerührt: Herr Burland widmet mir seinen heutigen Post! Selten zuvor in meinem Leben habe ich mich derartig geehrt gefühlt und bin unendlich bewegt. Vielen Dank, jb. MDP allein ist schon Motivation genug, in China einen Weg über die Grosse Brandmauer zu finden. Und vielleicht schaffen wir es bei einem Heimurlaub auch endlich mal, uns am TSOW zu einem Kaffee einzuladen.
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Montag, Januar 11, 2010
Abschied ist ein schweres Schaf
Aber zum Glück sind Chinesen ja herrlich unsentimental bei Verabschiedungen, er sackt sein Geschenk ("Meenzer Wörterbuch") ein, wünscht mir alles Gute und meint, wir würden uns ja dann im August in Shanghai sehen, wenn er käme.
Ein letztes Mal gemeinsames Rotweinsaufen und Tratschen mit Lilo und Stefanie auf der Treppe, wird mir außerordentlich fehlen! Aber Stefanie kommt ja im April und Lilo im Mai, wird schon gehen.
Am Donnerstag verzehren Stefanie, Ali und ich die aufgetauten Reste unseres opulenten Heiligabendschmauses, Stefanie bricht am nächsten Tag nach Laos und Kambodscha auf. Kann noch garnicht glauben, dass wir uns so lange nicht sehen werden.
Mit Yabos Hilfe hatte ich eine mail an Meister Wu geschrieben und ihm mein Kommen angekündigt. Wusste er schon, Rose hat es ihm erzählt. Shanghai ist ein Dorf! Aber er freut sich auf mich und grüßt explizit Ali, Stefanie, Lilo und Elli. (Den Oster hat er wohl vergessen). Ich soll mich mal erst einarbeiten und ins Training kommen, wenn ich Zeit habe. Der gute Mann!
Xiao Lu erwische ich im Chat, auch der freut sich und erzählt mir das gleiche wie der Meister. Wir hätten ja jetzt viel Zeit. Leider hat er nicht vergessen, dass ich ihm aus Deutschland eine unserer riesigen Katzen mitbringen sollte. "Koffer voll und sehr kompliziert" sage ich, "Na denn, vergiss es" sagt er. Also doch nur Schokolade, aber zu seinem Geburtstag im Februar gibt es ein cooles hellblaues Ahoi Brause Shirt. Sieht an ihm bestimmt geil aus. Soll mal nicht meckern. Außerdem kriegt er mit mir mehr Biestigkeit, als ihm eine unserer Katzen beschert hätte.
Und auch mit Tori verabrede ich, dass ich sie anrufe, wenn ich da und einigermaßen eingewöhnt bin.
Na denn...
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Shanghai one way
Zusage für die Stelle in Shanghai, jetzt wird es natürlich richtig hektisch. Die chinesische Seite braucht für das Arbeitsvisum Nachweise meiner Qualifikation, also Diplome, Zeugnisse ehemaliger Arbeitgeber und dergleichen. Habe ich natürlich nur auf deutsch.
"Kein Problem" sagt Herr Ma (der Assistant to Chief Architect & Director of Energy Dept.) Heiligabend schreibt er mir: "Please don’t worry about the translation, I will handle. Please just relax and enjoy your Xmas." Ein Hotel für die ersten Nächte bucht er auch noch für mich und wird sich um eine Wohnung kümmern.
Ich glaube, Herr Ma und ich werden sehr, sehr gute Freunde werden.
Ich hingegen muss mich um meinen Teil des Visums kümmern und das heißt erstmal: HIV- Test. Bloß gut, dass wir einen absolut genialen Hausarzt haben, am 23.12.09 zapft man mir Blut ab, das ich zum Labor am Hauptbahnhof transportiere. Heiligabend das Ergebnis: Negativ.
Am 31.12.09 treffen meine Dokumente aus China ein, ich bin jetzt ein "Alien Expert". Cool. Klar bin ich als Trekkie eine Expertin für Außerirdische, aber dass mir ausgerechnet die chinesische Regierung das mit ordentlich Stempeln und einem tollen Zertifikat bescheinigt- Wahnsinn!
Zwischen den Jahren die nächste unangenehme Überraschung: Die Konsulate (nicht aber die Botschaft in Berlin) verlangen für die Erteilung eines Arbeitsvisums einen Gesundheits- Check, unter anderem werden eine Thorax- Aufnahme und ein EKG gefordert. Den Quatsch muss ich in China sowieso noch mal machen, warum also hier Kohle dafür ausgeben? Zwischen den Jahren hat meine Arztpraxis zu, also gleich am Montag angerufen, der Check wird gemacht. (Ärztin: Was ist denn "Plague?“ Ich: Pest. Meine Ärztin schüttelt den Kopf, aber die Amis stellen anscheinend noch bescheuertere Fragen).
Keine Thoraxaufnahme, kein EKG, Hauptsache, Stempel vom Arzt. Schnell weiter zum Konsulat und hier kriegt man schon wieder einen Vorgeschmack auf China. Schon allein wegen der Inneneinrichtung, die in etwa den Charme des Sörgenlocher Bahnhofes besitzt.
Der Typ hinter dem Schalter langweilt sich offensichtlich, Touristenvisumsanträge werden schnell abgelegt, aber Arbeits- oder Geschäftsvisum ist doch interessant. Mit dem Typen vor mir in der Schlange wird ausgiebig gequatscht, der ist irgendwie Berater für Film- und Fernsehproduktion. Visitenkarten werden getauscht, dann bin ich an der Reihe.
Lege stolz meine Dokumente vor, dass ich Expertin für außerirdische Lebensformen bin, beeindruckt den Visumsschergen mäßig. Viel mehr interessiert ihn das Ergebnis des AIDS- Testes. Ein Dokument muss ich noch im Konsulat kopieren, mittlerweile stehen rechts und links von mir Leute, die der Scherge eben mal so herangewunken hatte.
Es entspinnt sich folgender Dialog:
Scherge:“„Ah, das Gesundheitszeugnis! Und wo ist der AIDS- Test, ist WICHTIG!“
Ich: „Hier!“
Scherge: (Studiert die Laborergebnisse) „N. reag. Also, nicht reagiert!“
Ich: „Ja.“
Scherge: „Also KEIN AIDS, Sie sind NEGATIV!
Ich: „Genau.“
Scherge: „NEGATIV!!! Das ist GUT!!!!“
Ich : „Ja, so ist es.“
Scherge: (mit doppelter Lautstärke): „IHR AIDS- Test WAR NEGATIV! NEGATIV!!! KEIN HIV!!!
Ich: „Ja, toll, oder?“
Scherge:“ Ja, PRIMA! Das Visum können sie morgen abholen.“
Jetzt weiß also halb Frankfurt, dass ich seuchenfrei bin. Habe ja etwas Sorge, dass ich wegen der fehlenden Thoraxaufnahme und des EKGs Schwierigkeiten mit dem Visum kriegen könnte, aber zwei Tage später händigt mir eine freundlich lächelnde ältere Dame meinen Pass samt Z- Visum aus. Was habe ich mir Sorgen gemacht, anscheinend unnötig: Ich bin ja NEGATIV!!!
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Sonntag, Januar 10, 2010
An die jungen Dichter
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Uffbäpper ...und ausserdem
Mittwoch, Januar 06, 2010
...was dann geschah
- Montags erstmal meinen chinesischen Chef über das Vorgefallene informiert, natürlich große Betroffenheit. Sehe davon ab, an der wöchentlichen Projektbesprechung teilzunehmen und buche meinen Flug mal wieder um, diesmal direkt in der Shanghaier Zentrale von China Eastern. Schieße einen Flug für teuer Geld für Dienstag, Hauptsache, schnell nach Hause. Außerdem gehe ich auf die fröhliche Jagd nach "Fa Piao" (Quittungen), bei der ich tatkräftig von Huang Ying, der Sekretärin des Büros unterstützt werde. Will hier ja dann doch nicht abrücken, ohne mich von Meister Wu und Xiao Lu verabschiededt zu haben, mache per SMS und Chat für Dienstag Morgen einen Trainingstermin klar.
- Dienstag erscheint der Meister leicht angeschlagen, hat gestern bis halb vier mit Xiao Lus Gattin Mahjang gespielt. Ihm wird erstmal ein Umschlag mit ordentlich Kohle und ein paar Schachteln Kippen in den Rucksack gestopft. Alte Freunde der Shaolin- Fraktion schauen vorbei, mit denen ausgiebig gequatscht und natürlich auch geraucht wird. Sogar der sonst so schweigsame Xiao Lu mischt mit. Da Meister Wu nachmittags noch unterrichtet und sich nach den gestrigen Exzessen vorher nochmal aufs Ohr legen will, übergibt er mich Xiao Lu. Flosse schütteln, naja, bist ja bald wieder da. Spätestens nächsten Monat. Schaun mer mal.
Mit Xiao Lu wird heftig geübt und danach gelabert, erfahre interessante Dinge zu seiner Weltanschaung.
Völlig unchinesisch öffnet Xiao Lu das Geschenk und meint, das sei "zhende piaoliang". (Wirklich sehr schön). Kenne mittlerweile meinen großen Bruder, der ist schlau und kapiert die Symbolik. Seine Augen blitzen, scheint ihm echt zu gefallen.
- Mittwoch Abholung durch Ali am Flughafen. Alles furchtbar, melde mich pflichtschuldig telefonisch krank.
Dann erstmal wieder ganz viel Stress.
Einen Tag vor der Beerdigung fische ich einen Brief meines Arbeitgebers aus der Trauerpost. Fristlose Kündigung, angeblich Krankmeldung zu spät eingereicht. Dieser schlechte Mensch! Na gut, Anwalt, Klage, noch mehr Stress.
- November/ Dezember: Erbschaft regeln, Haushalt auflösen: Die findige Stefanie vertickt einen Haufen Klamotten meiner Mutter in einem Wiesbadener Second- Hand Laden. Wow! Und steht uns ansonsten zur Seite. Geht doch nichts über gute Freunde!
Meine Shanghaier Ex- Kollegen schicken mir eine Postkarte in unbeholfenem Englisch mit Weihnachtswünschen und einer lustigen Skizze von mir. Mal wieder zu Tränen gerührt. Schicke eine Postkarte mit dem verschneiten Dom auf noch unbeholfenerem Chinesisch zurück, Begeisterung und Rührung auf beiden Seiten. Chinesen rocken!
Gerichtstermin, mein Ex- Chef hat sich aus Feigheit schnell einen Arzttermin geben lassen und schickt nur seinen farblosen Anwalt. Gekreische zwischen den Rechtsvertretern, meiner gewinnt. So. Geschieht ihm Recht, der wird noch Stress mit dem Arbeitsamt und so bekommen. Na, dann 2010 vielleicht eine Kreuzfahrt weniger. Selbst dran schuld.
Während dieser ganzen Kämpfe stehe ich in zähen Verhandlungen mit einem deutschen Büro in Shanghai, die mich anstellen würden, ohne mich je gesehen zu haben. Mutig.
Am 22. Dezember sage ich zu.
Am 13. Januar werde ich fliegen.
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Uffbäpper ...und ausserdem, china 09, china 10, shanghai
Sonntag, Oktober 25, 2009
Mega- Scheiß- Tag
25.10.2009, Sonntag
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Samstag, Oktober 24, 2009
Scheiß- Tag #2
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Freitag, Oktober 23, 2009
Wieder alleine
23.10.2009, Freitag
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Freitag, Oktober 16, 2009
Mit der Strömung schwimmen
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Sonntag, Oktober 11, 2009
Business as usual #4
11.10.2009, Sonntag
Vormittags:
Habe mich die ganze Nacht schlaflos und heftig niesend im Bett rumgewälzt, war ja klar, dass ich eine Erkältung kriege. Geht aber noch, also Training. Bin die einzige Schülerin, noch nicht mal Locke schlägt auf. Eine klasse Einzelstunde beim Meister, Es hapert bei mir zwar etwas mit der Konzentrationsfähigkeit, aber ich komme ganz gut mit. Die Form versuche ich unter besonderer Berücksichtigung der Gewichtsverlagerungen zu laufen, klappt auch.
Nach dem Unterricht erklärt der Meister, er fühle sich „hen shufu" (sehr wohl) und erkundigt sich noch mal genau, wann Stefanie denn käme. Flugzeug landet Dienstag früh? Dann Mittwoch im Training? Ja, das ist der Plan. Und wir sehen uns dann Samstag wieder.
Nachmittags/ Abends:
Die Tickettussi ist zwar da, erklärt mir aber, sie könne nicht für mich umbuchen, da ich das Ticket nicht bei ihr gekauft habe. Na, dann halt nicht. Sie schreibt mir aber die Hotline- Nummer von China Eastern auf, wo ich auch gleich anrufe. Nach ein paar Minuten in der Warteschleife schaffe ich es, mein Ticket umzubuchen, 900 RMB Gebühr, geht ja direkt. Sehr schön, dann ist ja alles geritzt.
Die Genossen von der Reinigungsbrigade vertreiben mich höflich, aber bestimmt aus dem Zimmer, in der Zwischenzeit kläre ich, ob ich auch länger hier im Hotel bleiben kann. Ja, geht, also das auch in trockenen Tüchern.
Treffe mich mit Xiao Lu im Park, irgendwie läuft es gar nicht rund und ich habe am Wasser gebaut. Muss an der Erkältung liegen. Er denkt natürlich, das läge daran, dass nichts bei mir klappt und ein klärendes und tröstendes Gespräch folgt. Danach läuft es besser und ich bekomme zur Belohnung einen Mondkuchen, der aus den Tiefen des Rucksacks gezaubert wird. Eine zierliche kleine Maus mit pinkfarbenen Strechhosen und Glitzerschühchen schaut uns zu und fragt ganz interessiert, was das für ein Stil sei? Fachgespräch mit Xiao Lu, es stellt sich heraus, dass sie aus Chongqing ist und in Shanghai studiert. Und auch Xing Yi übt. Xiao Lu fordert sie auf, doch mal eine Probe ihres Könnens zu geben, die Maus geht in Position und entschuldigt sich erst mal für ihr Schuhwerk. Dann stößt sie einen Schrei aus und lässt in einer Schrittfolge heftigste Schläge niederkrachen, das ganze auch noch supertief und sehr geschmeidig. Wow! Mit der Maus würde ich mich nicht anlegen wollen! Sie erntet anerkennende Worte von Xiao Lu und winkt ab, die Schuhe... Als die Maus weg ist, meint Xiao Lu dann allerdings, das habe zwar heftig (lihai) ausgesehen, aber alles nur äußerlich. Mit innerer Kraft und Entspanntheit könne man viel mehr ausrichten. Das üben wir dann auch gleich mal, die Prinzipien von Yin und Yang an den einzelnen Körperteilen und in den Bewegungen werden erörtert. So komme ich zu einer 1a Stunde in Theorie und Praxis, Meister Wu erklärt so was leider nicht. Eigentlich wollte ich ja als Gedächtnisstütze noch ein Video von der Form schießen, leider ist es mittlerweile zu dunkel. Na ja, nächste Woche halt.
Abends brühe ich mir Nudelsuppe auf und chatte mit Lilo, die allerdings ständig aus dem Netz fliegt. Mieses Wetter in Wudang, da wird ja Shanghai für sie die reinste Kur werden.
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Samstag, Oktober 10, 2009
Stress
10.10.2009, Samstag
Habe mich entschieden, noch zwei Wochen länger hier zu bleiben. Das heißt, der Flug muss umgebucht und das Visum verlängert werden. Hier im Guesthouse gibt es einen Ticketservice, allerdings kommen die erst um 9:00. Angeblich. Wurde mir jedenfalls gestern an der Rezeption ausgerichtet. Um 9:00 kommt keiner, die Maus an der Rezeption sagt, es sei unklar, ob jemand erschiene. Warte ne halbe Stunde, versuche selber, bei China Eastern anzurufen, spricht natürlich keiner Englisch, übers Internet geht die Umbuchung auch nicht. Muss im Park unbedingt Oskar treffen, haue also dahin ab. Der Meister ist prächtig drauf, ich überbringe ihm die frohe Kunde, dass ich zwar länger bliebe, aber ab nächste Woche nur am Wochenende kommen könnte. Der gefürchtete Rotkotvogel erwischt sowohl Oskar als auch mich, ich habe nur einen Klecks auf der Schulter, Oskar hat allerdings die volle Breitseite abbekommen.
Nach dem Training fahren Oskar und ich ein Stück mit dem Bus, dann gurken wir mit seinem Motorroller durch Pudong zum Amt für öffentliche Sicherheit. Pudong finde ich langweilig, Riesen- Avenuen, kaum Verkehr, voll die Retortenstadt. Da lobe ich mir doch diese Seite des Huangpu, viel netter und gewachsene Architektur. Oskar ist ein sehr risikofreudiger Fahrer und quatscht die ganze Zeit. Von Zeit zu Zeit brüllt er andere Verkehrsteilnehmer mit seinem breiten amerikanischen Akzent an („get out off me way, motherfucker! This is the bike lane, you goddamned basterd!"), was aber keinen weiter stört.
In der Ausländerbehörde ziehe ich die Nummer 216, momentan ist gerade 148 dran und nur zwei Schalter sind geöffnet. Oha, ob ich das bis 15:00 zurück in den Park schaffe? Neben mir sitzt eine nervige Deutsche, die wichtig mit ihren Unterlagen raschelt und ständig belangloses Zeug in ihr Mobilfon quatscht. Nach zwei Stunden des Wartens werde ich etwas nervös und schicke dem Meister eine SMS, er möge doch bitte Xiao Lu sagen, ich käme später. Dann geht auf einmal alles rasend schnell, ein weiterer Schalter wird geöffnet und die Nummern springen rasant vor. Anscheinend waren einige des Wartens müde und sind abgehauen. Ich gebe meinen Pass und den Antrag zusammen mit meiner polizeilichen Meldung ab, muss in eine Webcam lächeln- alles klar, Freitag kann ich den Pass abholen. Wichtigste Hürde geschafft.
Zum Park fahre ich mit dem Taxi, schicke unterwegs eine SMS, das alles klar wäre und ich doch pünktlich käme und bin um 14:45 im Park.
Zu meinem Entsetzen hat sich der grauenhafte Saxophonspieler wieder auf unserem Trainingsgelände breit gemacht, also lauere ich auf einer Bank. Der Saxophonspieler trollt sich zum Glück, als Xiao Lu kommt, dafür wird aber der Zaun des Parks gerade gestrichen, was grauenhaft stinkt. Möchte nicht wissen, was für Umweltgifte wir da jetzt noch zusätzlich inhalieren. Die Hosen sind fertig, sehr hübsch. Als Xiao Lu hört, dass ich den ganzen Tag unterwegs war und noch nichts gegessen habe, zaubert er aus seinem Rucksack einen leckeren Keks hervor. Lilo und er werden sich sicher prächtig verstehen, denn dieser Rucksack ist ein Füllhorn der nützlichen Dinge wie Nahrung, klappbaren Kleiderbügeln und dergleichen. Xiao Lu hat sich in den Kopf gesetzt, dass ich bei einer bestimmten Einzelbewegung endlich mal Fa Jing produzieren soll, schließlich knallen meine Arme auch leise. Xiao Lu sagt, das er darüber sehr glücklich sei. Ein Riesenschritt, meint er und ich bin sehr stolz. Die Form klappt auch so einigermaßen, muss das einfach noch öfter wiederholen.
Mittlerweile bin ich ziemlich matt und hungrig, mit Buch zu Pizza- Hut, das Zeug stopft wenigstens ordentlich. Muss ständig niesen und die Gräten tun mir auch weh, das hat mir jetzt gerade noch gefehlt. Fühle mich einsam und krank, deswegen wird im Zimmer erst mal die Glotze eingeschaltet, wenigstens hat man dann Ansprache. Keine Lust auf das lahme Internet, lieber schön ins warme Bett und noch ein wenig lesen.
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