Donnerstag, Oktober 08, 2009

Halbzeit

08.10.2009, Donnerstag

Um drei Uhr nachts meldet mir die Wunderwaffe dröhnend den Eingang einer SMS. Fluche und ziehe mir die Decke über den Kopf, um 6:00 weckt mich eine auf dem Sportplatz unter kernigem Gebrüll exzerzierende Truppe der Wachschergen. Ich schaue mal nach, wer mich denn da heute Nacht mit einer SMS beglückt hat: Meister Wu (oder vielmehr sein der englischen Sprache mächtiger Sohn) schreibt auf englisch, heute kein Unterricht, sein Bein wäre schlimm, er könne nicht laufen und wolle zwecks Spritze zum Arzt. Kommt mir jetzt auch nicht ungelegen, also schlafe ich noch mal zwei Stunden. In den Park fahre ich dann nicht. Zwar hat Xiao Lu gestern gesagt, er käme morgens da hin, aber man weiß ja nie.

Ich mache mich gemütlich fertig und bummele durch den Lu Xun Park zu der Einkaufsstraße, die auch der Bus Nummer 18 immer entlang fährt. Ist ja auch körperliche Ertüchtigung. Recht nette Geschäfte, in einem erwerbe ich eine preiswerte Sonnenbrille, da ich keine dabei habe. Auf dem Rückweg schaue ich in dem Laden vorbei, in dem ich letztes Jahr meine Wunderwaffe gekauft habe. Einer der Akkus ist schon im Eimer, deswegen suche ich einen neuen. Nach einigem Rumgefrage lande ich an einem Stand, die mir angeblich die Akkus bestellen können. 60,- RMB pro Stück, natürlich gegen Vorkasse. Na gut. Ein Bestellzettel wird ordnungsgemäß ausgefüllt, die Standbesitzerin stellt Fragen, die ich nach bestem Können beantworte und mein Chinesisch wird gelobt. Ich erhalte eine Quittung, auf die die Fonverkäuferin ihre Mobilnummer schreibt, morgen um 16:00 sind die Akkus angeblich da. Lassen wir uns mal überraschen. Stehe auf dem Rückweg zum Guesthouse neben einem Pulk Motorradfahrer an der Ampel, da quatscht mich ein schnurrbärtiger Herr, der seine Gemahlin auf dem Rücksitz hat, auf englisch an. Sein Name sei Soundso, wo ich denn herkäme? Ah, Deutschland! Zum ersten Mal in Shanghai? Nein? Ob mir die Stadt gefiele? Ja schön! Dann noch einen angenehmen Aufenthalt! Die Ampel springt auf Grün, der Herr verabschiedet sich freundlich, gibt Gas und braust davon. Chinesen sind einfach geil.

Den Nachmittag verbringe ich in der French Concession auf den Spuren der 30er Jahre Architektur, habe aber dummerweise die Kamera im Zimmer liegen lassen, ich Trottel. Na ja, gibt ja noch mehr zu entdecken.

Keine Lust, abends auszugehen, hole mir bei Carrefour eine Flasche hoffentlich halbwegs anständigen Weißwein und pappiges Brot, heute Abend ist Fernsehen angesagt. SMS von Meister Wu, morgen 9:00 Heping Park, bestens.

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